Multiple Mathematik

Krise 2009, Ursachen und weitere Entwicklung

- aktualisiert Feb 2012

Inhalt

Aktualisierung und Ergänzungen
Kurzfristige Zyklen in US (Lager, Agrarpreise, Auto, Wohnungsbau)
Rückblick auf die Entwicklung seit der Krise 1973
Kondratieff-Zyklen (Technologie-Sprünge, Energieträger, Preise)
Langfristige Preistrends (Stadt und Land, Hegemonialkonflikte)
IT-Zyklen
Krise der Kreativität
Orientierungsfähigkeit der Marktteilnehmer (Aktien- und Goldmarkt, "Angst-Index")
Schlussfolgerungen zur Inflation und möglichen Szenarien

Aktualisierung und Ergänzungen

Die aktuellen Zahlen der naturgemäß kurzfristigen Zyklen der Agrarpreise, Lagerbestände für Verbrauchsgüter und Automobilproduktion zeigen Ende 2011 für die USA, dass die Zwischenkrise 2011 möglicherweise überwunden werden kann und in einen neuen Aufwärtstrend übergeht, obwohl die langfristig negativen Verzerrungen (US Leistungsbilanz, US Staatsverschuldung, Wohnungsbau, Dauerarbeitslosigkeit) keineswegs bereinigt sind. Wichtige Ausnahme sind die extrem überhöhten Immobilienpreise, die rasant zusammengeschmolzen sind. Falls die Konsumenten ihre private Verschuldung weiter abzubauen vermögen, könnte es nach der zu erwartenden nächsten Krise zu einem Aufschwung auch auf dem Immobilienmarkt kommen. Voraussetzung bleibt jedoch, dass bis dahin die USA ihre neue Rolle unter den veränderten Weltmarktbedingungen gefunden haben.

Denn die wichtigsten Aufgaben sind nach wie vor offen: (1) Das derzeit bestehende Modell der Globalisierung muss verlassen werden. Mit dem weiteren Aufschwung der BRICS-Länder (China, Indien, Russland, Brasilien, Südafrika) werden diese dauerhaft nicht in der Position von Niedriglohn-Produzenten in den Bereichen technologisch rückständiger Produktion bleiben können und wollen, die weltweit alle Märkte beliefern, während an anderer Stelle die Industrie abgebaut wird. Das Technologie- und Einkommensgefälle werden sich spürbar einebnen. Umwelt- und Naturkatastrophen mit weltweiten Auswirkungen erfordern eine ganz andere Art globalen Handelns als bisher praktiziert. Hinzu kommt, dass mit der Verknappung von Erdöl die Transportkosten auf den Weltmeeren deutlich ansteigen werden. Die mit der Informationstechnologie gegebenen Möglichkeiten einer intelligenten Arbeitsteilung zwischen mehr oder weniger gleichberechtigten Partnern (Austausch von Wissen und Know-how statt übermäßigem Transport von Rohstoffen, Zwischen- und Fertigprodukten kreuz und quer durch die Welt) sind bei weitem nicht genutzt. Eine intelligente Infrastruktur (Austausch von Spitzenlasten locker miteinander vernetzter lokaler Ressourcen statt Transport von Grundprodukten über weite Wege) ist aufzubauen. Zudem zeigt jede Naturkatastrophe die Nachteile der extremen Abhängigkeit von einzelnen Regionen, die weltweite Monopolposition haben (siehe die Folgen des Erdbebens in Japan und der Überschwemmungen in Thailand). (2) Das wird nur möglich sein, wenn eine neue Weltwährungsordnung geschaffen und die Stellung des Finanzsektors auf ein vernünftiges Maß reduziert werden können. Dafür fehlt gerade in den jeweils starken Ländern wie derzeit Deutschland noch die nötige Bereitschaft, solange sie kurzfristig auf Kosten anderer Länder profitieren können, denen der Wettbewerbsdruck der Globalisierung mehr Nachteile als Vorteile bringt. (3) Diese Veränderungen erfordern einen grundlegenden Wandel des im Westen eingebürgerten Lebensstils, der sich weder auf Dauer fortsetzen noch auf die derzeit am stärksten wachsenden Länder wie China und Indien übertragen lässt: Vermeidung von Verschwendung und Überfluß, um bei fallenden Kosten den Lebensstandard zu halten.

Das Bewußtsein für die Notwendigkeit großer technologischer Änderungen in den Bereichen erneuerbarer Energien, Land- und Wasserwirtschaft, energiesparender Autos und Renovierung des Wohnungsbestandes sowie eines generellen Wandels im Konsumverhalten beginnt sich durchzusetzen, äußert sich bisher aber nur in halbherzigen Initiativen der Wirtschaftsförderung und Finanz- und Steuerpolitik. Offenbar ist die Krise noch nicht deutlich genug in allen gesellschaftlichen Bereichen angekommen, um eine Auflösung von Gruppenegoismen zu bewirken. Die Staaten können sich zu keiner einheitlichen Energie- und Umweltpolitik entschließen, sondern ein Wettlauf entsteht, wer als erster auf den Zukunftsmärkten (wie z.B. erneuerbare Energien) Erfolg haben wird. Green New Deal bleibt vorerst eine nur wenig ausgefüllte Idee. In der europäischen Industrie und der sie unterstützenden Wirtschaftspolitik scheint immer noch das Bewusstsein zu fehlen, welche fatalen langfristigen Auswirkungen es haben wird, wenn an Investitionen und Subventionen für überholte Produkte, Märkte und Finanzstrategien festgehalten wird, statt die Weichen für eine Umorientierung zu stellen. Die Wende der Energiepolitik ist jedoch immerhin ein positives Zeichen. Die OECD bleiben aber im Ganzen stärker daran interessiert, durch weitere Privatisierung der Infrastruktur (Telekom, Elektrizität, Verkehrswege, Wasserwirtschaft) dem privaten Kapital neue Anlagesphären zu erschließen als in einer gemeinsamen Anstrengung überfällige große Projekte in diesem Bereich zu unterstützen.

Viele Beobachter im Westen mögen kaum glauben, dass wir uns derzeit in der Prosperitätsphase eines Kondratieff-Zyklus befinden, weil sie nur die trübe Lage im eigenen Land oder der eigenen Region sehen und nach wie vor die ungewöhnlich hohen, inzwischen seit 1995 andauernden Wachstumsraten in China und Indien ignorieren. Auch auf die Krise 2009 zeigte sich China bestens vorbereitet und konnte erreichen, dass es lediglich zum Rückgang der Wachstumsrate auf 8% kam. Zwar dominieren derzeit die innereuropäischen Konflikte und der auf den Finanzmärkten ausgetragene Wirtschaftskampf zwischen den USA und Europa die ökonomische Presse, aber die größte offene Frage für die weitere Zukunft ist aus meiner Sicht, welche Grenzen dem weiteren Aufschwung in China gesetzt sind und wie sie überwunden werden können (politische Verhärtung nach innen, Engpässe bei der Energieversorgung, Naturkatastrophen, extreme demographische Entwicklung, Fesselung durch eine Weltwährungsordnung, die den Dollar begünstigt, militärische Aktionen durch USA). Im Prinzip geht es um das Management des Hegemonialkonflikts zwischen USA und China und die Frage, welchen Entwicklungsweg China einschlägt (Ausgleich zwischen Stadt und Land und den Generationen im Innern, Entwicklung von selbständigen Wirtschaftsbeziehungen zu den anderen aufstrebenden Ländern wie Indien, Brasilien, Russland nach außen).

Verändert wurden seit März 2009:
Juli 2009: Neu: "IT-Megatrends nach Forrester"
Januar 2010: Neu: "Gold- und Aktienmarkt"
März 2010: Überarbeitung "Langfristige Preistrends"
Juli 2010: Überarbeitung "Krise 1973" und "Kondratieff-Zyklen"
Februar 2011: Überarbeitung "Gold- und Aktienmarkt"
März 2011: Überarbeitung "Langfristige Preistrends" und "IT-Zyklen"
Juli 2011: Überarbeitung "Gold- und Aktienmarkt"

Kurzfristige Zyklen in US (Lager, Agrarpreise, Auto, Wohnungsbau)

Eine Analyse der Lagerzyklen zeigt, dass die kurzfristigen Zyklen ihren Tiefstpunkt deutlich überschritten haben und es zu einem 3-4-jährigen Anstieg in W-Form bis 2013-14 mit einer Zwischenkrise 2011-12 kommen wird. Das Risiko bleibt groß, dass dieser 2011 eingetretene kleinere Rückgang aufgrund ungelöster Strukturprobleme nur zäh überwunden werden und jederzeit eine gefährliche Dynamik entwickeln kann, da die Möglichkeiten des Ausgleichs durch Verschuldung fast völlig aufgebraucht sind.

Figur 1: US Lagerbestände, Veränderung gegenüber dem Vorjahreswert in %, Quelle

Das wird bestätigt durch die Entwicklung der Agrarpreise. Die nachfolgende Graphik läßt allerdings nicht erkennen, wie dramatisch im Vorfeld der Krise von 2009 die weltweiten Agrarpreise gestiegen sind. Im Juni 2011 steigen die Preise stärker als vor der Krise 2009.

Figur 2: US Agrarpreise, Veränderung gegenüber dem Vorjahreswert in %, Quelle

Die Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung im Automobil-Sektor ist nach wie vor einer der wichtigsten Indikatoren für die kurzfristige Wirtschaftsentwicklung. Im Vergleich zu den Vorjahren ist es zu einer Überhitzung gekommen, die in der zweiten Hälfte 2010 in einen erneuten Rückgang umgeschlagen ist. Im März 2011 kamen die Auswirkungen der Naturkatastrophe in Japan hinzu. Über 40 % der US-Autoproduktion wird von US-Fabriken japanischer Unternehmen hergestellt, deren Produktion um mehr als 50 % gesunken war (Morningstar, 6.7.2011). Davon geht ungewollt ein antizyklischer Effekt aus. Insgesamt ist zu erwarten, dass sich der langfristige, seit 1973 zu beobachtende negative Trend fortsetzen wird. Die dringend notwendige Produktumstellung auf deutlich kleinere Fahrzeuge mit geringerem Benzinverbrauch und besserer Ausbeute der Motorenleistung ist noch nicht erfolgt. Weltweit wird aufgrund wachsender Nachfrage in den sich entwickelnden Ländern die Autoproduktion zweifellos ansteigen, jedoch überwiegend in China und Indien. Aufgrund der Knappheit von Öl wird das in vollem Umfang erst möglich sein, wenn Elektroautos serienreif sind. Die G6-Länder werden ihre Stellung als Autoproduzenten nur wahren können, wenn es ihnen gelingt, bei der Entwicklung neuer Technologien einen Vorsprung zu halten.

Figur 3: US Autoproduktion, Veränderung gegenüber dem Vorjahreswert in %, Quelle

Da die Neubaubeginne im Immobilien-Bereich bereits 2005 in einen Abschwung geraten sind, könnte eine Umkehr bereits früher eintreten. Das ist aber nicht geschehen, da es in Folge der Überschuldung einen gigantischen Leerstand an Wohnungen in US gibt. Der Tiefpunkt wurde im Juli-August 2009 erreicht. Seither ist es zu keiner durchgreifenden Trendwende gekommen, was nochmals bestätigt, dass die langfristigen Krisenursachen nicht bereinigt sind.

Figur 4: US Baubeginne, Anzahl je Monat in Mio., Quelle

Rückblick auf die Entwicklung seit der Krise 1973

Die mittelfristigen Krisenursachen gehen auf die Krise von 1973 und die anschließend getroffenen Wirtschaftsentscheidungen in den 1980ern zurück. Um die Bedeutung dieser Krise zu ermessen, lohnt ein historischer Rückblick. Die jährliche Wachstumsrate des Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts betrug weltweit in den 800 Jahren 1000-1820, d.h. bis zur Industrialisierung geschätzte 0,05%, 1870-1913 1,30% (das war die technologisch innovativste Epoche). Sie erreichte in Westeuropa ihren Höhepunkt 1950-1973 mit 4,08% (und Japan mit 8,05%), fiel aber 1973-1998 in Westeuropa auf 1,78% (in den USA von 2,5% auf 2,0%). 1973 ist zugleich der Wendepunkt für Asien (ohne Japan). Nach einer Stagnation von 1500-1950 zog hier die Produktivität 1950-1973 mit 2,52% an und überholte 1973-1998 mit 3,54% bereits deutlich die entwickelten Länder (Maddison, S. 142, 148).

Figur 5: Jährliches Wachstum des Pro-Kopf-BIP in Westeuropa von 1000-2000 in %
Die Statistik zeigt für Westeuropa einen exponentiellen Anstieg bis 1973 unterbrochen durch die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert sowie einen neuerlichen Rückgang seit 1973, Quelle: Maddison, S. 142

Die Krise 1973 markiert eine Wende. Die Goldbindung des Dollar musste 1971 aufgegeben werden, als innerhalb weniger Jahre von 1965 - 1971 fast die Hälfte des Goldbestandes der USA ins Ausland geflossen war (Verringerung von 16.000 t auf 8.200 t Gold). Ausländische Dollarbesitzer (und unter ihnen spektakulär Frankreich) hatten von dem Recht Gebrauch gemacht, Dollars gegen Gold auszutauschen. Die Aufhebung der Goldbindung löste geradezu einen Wettlauf staatlicher Verschuldung aus und führte in eine weltweite Inflation.

Solange der Dollar die Weltwährung ist, profitiert davon vor allem die USA: Die USA können als erstes "frisches" Geld erzeugen und in den Markt werfen. Im Moment der Gelderzeugung gelten noch die alten Preise, zu denen mit dem neuen Geld eingekauft werden kann. Anschließend löst es eine Inflation aus, die alle diejenigen trifft, die gespart haben und später konsumieren und dafür höhere Preise zahlen müssen. Innerhalb der USA sind die 12 Federal Banks die Nutznießer, die mit Einrichtung des Federal Reserve Systems (Fed) 1913 das exklusive Recht bekommen haben, für den Staat Geld zu drucken. Zahlreiche Wirtschaftskommentatoren sehen hierin zurecht ein System, das wie eine versteckte zusätzliche Steuer innerhalb der USA und ein Tributsystem des "Rests der Welt" an die USA wirkt. Zugleich werden durch das neue Geld in den USA die Geldmenge erhöht und daher die Zinsen ("Kosten für Geld") gedrückt. Das veranlasst die Verbraucher, sich weiter zu verschulden und ihr Geld nicht zu sparen. Verzinsliche Papiere bringen wegen der niedrigen Zinsen relativ wenig Geld, das stattdessen in Aktien und Immobilien angelegt wird und dort bei Aktien von 1980 - 2000 und bei Immobilien 1995 - 2005 zu extrem überhöhten Preisen geführt hat (siehe unten Figur 21 und 26). Da offiziell die Inflation nur am Warenkorb gemessen wird, ist die bei den Preisen von Aktien und Immobilien eingetretene inflationierende Wirkung in der Öffentlichkeit erfolgreich verdrängt worden. Sie wird schmerzlich bewusst werden, wenn die Preise bereinigt werden und die mit Aktien und Immobilien gestützte Altersversorgung wegbricht. (Diese Entwicklung ist in Japan bereits 1990 eingetreten und droht sich in den anderen Industrieländern zu wiederholen.)

Da der Dollar in der Inflation immer den anderen Währungen vorausläuft, können Amerikaner sehr günstig im Ausland einkaufen, sowohl Produkte wie Dienstleistungen. Die Leistungsbilanz ist chronisch negativ.

Figur 6: US Leistungsbilanz, in Mrd. USD, Quelle

Im Ergebnis entstand ein ungewöhnliches internationales Modell, das dauerhaft nicht tragfähig sein kann: Seit 1980 verkaufen alle industrialisierten Länder und China weit mehr Waren an die USA als von dort importiert wird. Das brachte einige Zeit für beide Seiten Vorteile: In den USA konnten der Wohlstand weiter vergrößert und insbesondere im Finanzbereich historisch einmalige Gewinne erzielt werden, in Westeuropa und China konnten die klassischen Industrien weiter aufgebaut und darüber Arbeitsplätze gehalten und mit ihnen Löhne und Steuereinkommen erhöht werden. (Da rein rechnerisch die Schulden Amerikas als Sparguthaben der Nicht-Amerikaner verstanden werden können, insbesondere der Chinesen und Japaner, die die mit ihren Waren in USA erworbenen Dollars zurücklegen, statt dafür amerikanische Waren zu kaufen, wird bisweilen die Verzerrung der Weltwirtschaft der Sparneigung in Asien zugeschrieben. Dabei wird übersehen, dass die Sparquote in den USA aus den genannten Gründen ungewöhnlich niedrig und keineswegs ein Maßstab ist, und dass die Weltwährung nach wie vor der Dollar ist und jede Geldschöpfung in den USA dort für alle Ausländer die amerikanischen Waren verteuert, also nicht gerade zum Kaufen einlädt.)

Die USA gaben bei allen Massengütern die Produktion weitgehend auf, sogar in traditionell starken Bereichen wie dem Fahrzeugbau. Sie versuchten ihre führende Position zu sichern, indem sie sich ganz auf strategische Branchen konzentrierten, insbesondere Militärtechnik und EDV. In der EDV - dem am stärksten wachsenden Wirtschaftszweig - konnten sie wieder die Führung übernehmen mit dem Ergebnis, dass zwar die Produktivität nicht mehr so stark wuchs wie vorher, aber doch auf dem gleichen Niveau wie in Europa. Gegenüber Europa konnte damit der Abstand gewahrt werden. Hinzu kam, dass Europa besonders stark von Erdöleinfuhren abhängig ist, deren Preise in Dollar berechnet werden und daher mit dem Dollar ständig steigen. Und schließlich profitierte besonders die US-Wirtschaft von dem allmählich einsetzenden Zustrom billiger Waren aus Asien.

In Summe waren kurzfristig die USA der große Gewinner. Die Entwicklung des Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien übertraf in den beiden Jahrzehnten 1980 - 2000 bei weitem alle vorangegangenen Spekulationswellen. Das deckte alle Probleme zu, die in dieser Zeit im Hintergrund bereits offensichtlich waren. Die Inflation ist nur deren Symptom. Finanzinnovationen traten an die Stelle wirtschaftlicher Innovationen und koppelten den Finanzsektor von seiner realwirtschaftlichen Basis ab, was sich im Platzen einer "Blase" nach der anderen entladen mußte. Während sich die Finanzunternehmen darauf verlassen konnten, dass im Zweifel der Staat die Verluste ihrer hochriskanten Geschäfte übernimmt, waren alle Industrieunternehmen über die Aktienfonds einem wachsenden Druck ausgesetzt, Qualität und ingenieurmäßige Leistung einzuschränken zugunsten kurzfristiger Verkaufserfolge. Von der EDV wurde erwartet, diese Lücke durch ein besseres Informationsmanagement zu schließen (Computer Integrated Manufacturing, Enterprise Resource Planning Systeme und andere). Das hat sich tief in den Lebensstil und die Kunst eingegraben, siehe exemplarisch den amerikanischen Schriftsteller DeLillo.

Schon jetzt zeigt sich dramatisch, dass die Krise diese weltwirtschaftliche Anomalie zwischen den USA und dem "Rest der Welt" auflösen muß. Die USA können nicht mehr so viel importieren wie früher. Obwohl seit 2009 kreditfinanzierte Werte in die Wirtschaft gepumpt werden, die mehr als 10% des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, kann nur ein vergleichsweise mageres Wachstum von 2% erzielt werden. Der größte Teil der billigen Dollar (die amerikanischen Zinsen liegen unter der Inflationsrate!) wird von den Banken weiterverliehen, um in anderen Ländern investiert zu werden. Damit kann im Finanzsektor nochmals kräftig Geld verdient werden, aber die amerikanische Wirtschaft im ganzen verliert weiter an Boden. Das kann auf Dauer nicht gut gehen und zeigt, in welchem Maß das Vertrauen in die US-Wirtschaft erschüttert ist. Schien das 1973 eingeschlagene Modell noch 1992 aufzugehen, so ist es 1997 entglitten und hat direkt in die Dotcom-Krise der EDV-Industrie in den USA geführt.

Das wirkt sich verheerend auf die Hauptexportnationen (Japan und Deutschland) aus. Japan verharrt in einer langandauernden Lähmung und hat sich noch auf kein neues Ziel einigen können, um der Wirtschaft und Gesellschaft eine neue Orientierung und Wachstumsimpulse geben zu können. In Deutschland kann das bisher dank Einführung der Euro-Zone und seiner starken Position auf den wachsenden Märkten Asiens aufgefangen werden. Deutschland profitiert von den wachsenden Ungleichgewichten innerhalb der Euro-Zone und vermag dank seiner Produktivität im Anlagen- und Maschinenbau, der Chemie- und der Autoindustrie in Asien große Umsätze zu erzielen. Im weiteren Verlauf drohen jedoch Deutschland mit der Krise der anderen europäischen Länder strategische Absatzmärkte wegzubrechen, und es muss früher oder später in Westeuropa und Japan zu einer gesellschaftlichen Diskussion kommen, die vorhandenen lokalen Ressourcen für dringend notwendige lokale Projekte in den Bereichen Energie, Verkehr, Landwirtschaft, Bildung, Forschung und Gesundheit statt für den Export und Wirtschaftswettbewerb einzusetzen, wenn bis dahin nicht bereits maßgebliche Wettbewerbspositionen gegenüber dem erstarkenden China und anderen Schwellenländern verspielt sind.

Die auf dem US-Markt erzielten Verkaufserlöse wurden nicht in den eigenen Ländern investiert, sondern wiederum an die USA verliehen, um dort das wachsende Staatsdefizit und die Verschuldung der privaten Haushalte zu finanzieren (davon ca. 2/3 für Hypotheken). Unter normalen Umständen hätten die Defizite der US-Leistungsbilanz am Ende des Konjunkturzyklus 1990-2000 wieder ausgeglichen und der Eigenheimbau in den USA 2001 einen Abschwung durchmachen müssen. Stattdessen wurde durch die weitere Verschuldung künstlich ein Scheinaufschwung aufrecht erhalten, indem die Länder außerhalb der USA in den USA die Nachfrage für die eigenen Produkte kreditierten, die dort abgesetzt wurden.

Figur 7a: US Staatshaushalt, Überschuß / Defizit, Differenz gegenüber Vorjahr in Mrd. USD, Quelle

Figur 7b: US Staatshause, Überschuß / Defizit in Mrd. Dollar.
"The above graph shows annual, fiscal year US Federal Government Budget Deficit. Fiscal year-end is September 30. Measurement is in Billions of Dollars. Updated Tuesday, October 26, 2010." Quelle
Das historische Ausmaß der aktuellen Entwicklung wird erst im langfristigen Vergleich deutlich. Selbst Ereignisse wie die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise 1929 erscheinen nur als harmlose Dellen im Vergleich zur Abwärtsbewegung seit 1973. Ebenfalls ist die Dramatik der Sonderentwicklung der 1990er (Clinton-Ära) zu erkennen, die jäh im Dot-Com-Crash 2000 endete.

Figur 8: Gesamtverschuldung der US Haushalte in % vom frei verfügbarem Einkommen, Quelle

Diese Graphik wird bei "Markt-Daten" derzeit nicht aktualisiert. Die Originaldaten werden fortgeschrieben in Flow of Funds Accounts. Siehe dort "D.3 Debt Outstanding by Sector" und "F.100 Households". Das verfügbare Einkommen wächst wieder deutlich. Hypotheken-Schulden werden weiter abgebaut, Konsumentenkredite werden nach einem Rückgang 2009-2010 seit dem 4. Quartal 2010 wieder aufgebaut.

Aber irgendwo fehlen diese Ressourcen. Sie wurden weltweit dem Ausbau der Landwirtschaft, der Erschließung neuer Energiequellen, dem Klimaschutz entzogen, und was dauerhaft vielleicht noch schwerer wiegen wird, der Forschung und Bildung. Die Landwirtschaft kann nur immer schlechtere und weniger Nahrungsmittel liefern. Das führt zu einer Gesundheitskrise in den entwickelten Ländern (chronische und psychische Erkrankungen, Fehlernährung, Nahrungsmittelskandale etc.) und Hungersnot in den ärmeren Ländern.

Das alte Gesetz setzt sich wieder durch, dass fehlende Ressourcen in der Landwirtschaft zur Inflation führen.

In der öffentlichen Diskussion wird die längerfristig wirkende Krisenursache vor allem am Anstieg des Ölpreises wahrgenommen. Unmittelbarer Auslöser der Krise 2009 waren extrem steigende Preise für Öl und Nahrungsmittel im Jahr 2007, wodurch die Verbraucher in Bedrängnis gerieten, nicht mehr ihre Schulden für Hypotheken und Verbraucherkredite tilgen zu können und aufgrund steigender Rohstoffkosten die Gewinne in der Industrie abzustürzen begannen.

Figur 9: Ölpreis je Barrel 1870-2010

Quelle: Realterm, Langfrist-Graphen, Öl in USD & Gold

Diese Graphik zeigt die historische Bedeutung der Krise 1973, die seit den späten 1990ern nochmals radikal verschärft wurde. Der Autor der Seite "Realterm" weist mit dieser Graphik zurecht darauf hin, dass das Verhältnis von Öl zu Gold nahezu konstant geblieben ist, der steigende Ölpreis also ausschließlich ein Ergebnis der allgemeinen Inflation und nicht die Wirkung von internationalen Ölkartellen der Herstellerländer, Ölspekulanten oder abgesprochener Preispolitik der Ölkonzerne ist. Die Ursachen der Inflation können dauerhaft nur bekämpft werden, wenn das Modell der Massenproduktion ersetzt wird durch dezentrale, intelligente Technologien (siehe dazu den Beitrag zum Keynesianismus, Link).

Kondratieff-Zyklen (Technologie-Sprünge, Energieträger, Preise)

Die besondere öffentliche Wahrnehmung des Ölpreises ist kein Zufall. Die Krise 1973 war ein Umschlagpunkt innerhalb eines langfristigen Krisenzyklus, den zuerst 1913 Van Gelderen, 1924 und 1929 de Wolff und 1926 der russische Ökonom Nikolai Kondratieff beschrieben haben (eine umfassende Literaturübersicht gibt Joshua Goldstein). Mit der Industrialisierung entstanden 50-60jährige Zyklen, durch die in großen internationalen "Projekten" jeweils neue Technologien eingeführt und der gesamte gesellschaftliche Produktionsapparat entwickelt werden. Der um 1990 abgeschlossene Zyklus war von der Petroindustrie getragen worden in einem weltökonomisch von den USA dominierten Umfeld. In dem neuen Kondratieff-Zyklus kommt es darauf an, die Abhängigkeit vom Öl zu überwinden und neue Technologien einzuführen, die alternative Energiequellen erschließen, lokale Ressourcen bevorzugen und zu einer multipolaren Welt führen.

Kondratieff-Zyklen wurden zuerst als langfristige Preiszyklen beobachtet. Jeder Kondratieff-Zyklus setzt sich aus 4 10-15 jährigen Teilzyklen zusammen: (1) Deflation, Erholung, (2) Preisstabilität, Prosperität, (3) Inflation, Krise, (4) nachlassende Inflation, Depression. Während die Identifizierung der Teilzyklen in der Wirtschaftsgeschichte unumstritten ist, entsteht eine gewisse Verwirrung, weil zahlreiche Theoretiker einen Kondratieff-Zyklus erst mit Phase (2) beginnen lassen und bei ihnen daher die Zyklen um 15 Jahre verschoben sind. Das gilt z.B. für Nefiodow, den heute einflussreichsten Theoretiker der Kondratieff-Zyklen. Für ihn beginnt der 1. Kondratieff-Zyklus erst 1787 und nicht bereits 1776, der 5. Kondratieff-Zyklus erst 1950 und nicht bereits 1936.

Zusätzliche Verwirrung stiftet die Phasenverschiebung des Preiszyklus gegenüber dem Wirtschaftszyklus, der an der Wirtschaftsleistung (z.B. Industrieproduktion oder Bruttoinlandprodukt) gemessen wird. Der Preiszyklus läuft dem Wirtschaftszyklus um annähernd die Länge eines Teilzyklus nach, d.h. um 10 - 13 Jahre. Daher ergeben sich unterschiedliche Datierungen, ob der Preis- oder Wirtschaftszyklus gewährt wird.

Inhaltlich gibt es aber über die Charakterisierung der jeweiligen Teilzyklen Übereinstimmung. Insbesondere stimmen alle Theoretiker darin überein, einen Kondratieff-Zyklus durch das Projekt zu definieren, das in der wirtschaftlichen Prosperitäts-Phase (Phase 2, Phase der Preisstabilität) durchgesetzt werden kann. Daher ist es letztlich weniger wichtig, welche Datierung gewählt wird. Ich wähle den Ansatz, einen Kondratieff-Zyklus mit der wirtschaftlichen Erholungsphase beginnen zu lassen. Dann werden deutlich der Aufschwung (Up) der Phasen (1) und (2) und der Abschwung (Down) der Phasen (3) und (4) einander gegenübergestellt. In vielen Modellen wird der Kondratieff-Zyklus direkt auf die beiden 25-30-jährigen Phasen Up und Down reduziert. Alle empirischen Begründungen des Kondratieff-Zyklus argumentieren letztlich damit, dass die Zuwachsraten im Up deutlich höher liegen als im Down.

Eine weitere Schwierigkeit entsteht durch die ungewöhnliche Inflation seit Aufhebung des Goldstandards 1971. Offensichtlich hat sich ein längerfristiger Preiszyklus durchgesetzt, der die Trendlinie der bis 1936 beobachteten Preiszyklen gewissermaßen "nach oben biegt". Darauf wird im nächsten Kapitel eingegangen.

Figur 10: US Preisindex1665-2001, (2001=100)

1776, 1815, 1865, 1920 sind Wellenberge zu erkennen, während auf die Spitze 1965 eine extreme Inflation statt einer Deflation folgt.
Quelle: John J. McCusker: "Economic History Services", 2001, übernommen in: Enzo Rossi: "Vorlesung Geldpolitik" Zürich 2008, Link

Mit den genannten Vorbehalten kann folgende Übersicht vertreten werden:

Übersicht der bisherigen Kondratieff-Zyklen [und ihrer Prosperitätsphasen]

1776-1828
[1788-1802]
Baumwolle (Spinnmaschine, Webmaschine), Dampfmaschine, europäische Industrie erobert historisch erstmals international führende Rolle, Indien und China geraten in Abhängigkeit
1828-1885
[1843-1856]
Eisen, Eisenbahn, Hochseeschifffahrt, Kohle löst Holz als Energieträger ab, reger Wohnungs- und Städtebau, globaler Getreidehandel, dadurch wird Krise der Landwirtschaft in Europa vorbereitet
1885-1936
[1898-1912]
Chemie, Elektro, Entstehen der Massenproduktion, chronische Krise der Landwirtschaft in Europa, Weltmarkt kann nicht hergestellt werden (das führt zu den beiden Weltkriegen)
1936-1990
[1953-1967]
Erdöl löst Kohle als Energieträger ab und ermöglicht den Auto- und Flugzeugboom, Durchsetzung von Massenproduktion und -konsum, Binnenzyklen des Eigenheimbau und der Autoindustrie werden wirtschaftsbestimmend, seit 1943 Entwicklung der EDV in 10-jährigen Zyklen, der Landwirtschaft werden ständig in einem historisch nie gekannten Ausmaß Ressourcen entzogen, es verbleibt ein technisch unterhaltenes Minimum (Qualität der Nahrungsmittel wird fortlaufend schlechter, Umwelt- und Gesundheitskrise), staatliche Wirtschaftsregulierung (starke Position der Zentralbanken, Zinsregulierung, Preisregulierung in der Landwirtschaft und im Energiesektor, massive Geldschöpfung durch Schuldenpolitik, Lohnregulierung durch Tarifpolitik, staatliche Einkommenstransfers durch Sozialversicherungen)
1990-2045?
[2003-2015?]
[2009-2025?]
intelligente dezentrale Technologien (PCs und Mikrochips, Nano-, optische und Solartechnologien); mehr Ressourcen für Landwirtschaft, Gesundheit und Natur

Energieträger

Seit 1800 sind 150-jährige Lebenszyklen der Energieträger zu erkennen, die sich in mehreren Wellen überlappen. Die jeweiligen Spitzen (peaks) sind 50 - 60 Jahre voneinander getrennt (1870, 1920, 1980) und fallen auf die Umschlagpunkte der vergangenen 3 Kondratieff-Zyklen. Veränderungen der Energieträger haben unmittelbare Auswirkungen auf die Ressourcen der Landwirtschaft: Großflächige Rodungen zur Holz-Gewinnug (Krise der Landwirtschaft in England), weltweiter Agrarhandel seit dem Siegeszug der Dampfschifffahrt (Agrarkrise in Osteuropa), Einsatz von öl-getriebenen Motorfahrzeugen in der Landwirtschaft (seither Übergewicht der Industrieländer auf dem Welt-Agrarmarkt), Anbau von Nutzpflanzen für Bio-Öl.

Figur 11: US-Energieverbrauch nach Energieträgern in Quad, Historische Entwicklung 1800-1980

Holz (Wood), Kohle (Coal), Öl (Petroleum), Energie gemessen in Quad (ein Quad entspricht 1,055 × 1018 joules, siehe Wikipedia); Quelle: Brian Joe Lobley Berry: "Long-wave rhythms in economic development and political behavior" (1991), Auszüge online verfügbar: Link, dort Figure 25. Berry folgt hier John R. Borchert "American Metropolitan Evolution" (1967).

Deutlich erkennbar muss jetzt das Öl durch einen neuen Energieträger ersetzt werden. Lange war dafür die Nuklearenergie "ausersehen", deren Lebenszyklus in den 1950ern begann. Aufgrund ungelöster technologischer Probleme und Fragen der Entsorgung kommen jetzt nur andere Energieträger in Betracht.

Die absehbare Entwicklung des Öls kann am besten anhand einer Übersicht der Neuentdeckung von Ölfeldern vorhergesagt werden. Hier öffnet sich klar erkennbar eine wachsende Lücke:

Figur 12: Weltweite Neuentdeckung von Ölfeldern in Gb/Jahr seit 1930

Förderleistung wird gemessen in Giga Barrel pro Jahr (annum), abgekürzt Gb/a; Quelle: Exxon-Studie, peakoil.net, PBV-Finanzbrief 2004-10, Wikipedia

Die Erschließungskosten für neue Ölfelder steigen exponentiell. Im Ergebnis wird der Ölpreis im Trend solange deutlich steigen bis neue Energieträger ausreichend verfügbar sind.

Ausblick

Kann es zutreffen, den aktuellen Zeitraum 2003-2015 als eine Prosperitätsphase zu verstehen, vergleichbar den Epochen 1788-1802, 1843-1856, 1898-1912 und 1953-1967 mit ihren spektakulären Umwälzungen auf allen Gebieten der Wirtschaft, Politik und Kultur, oder folgt die Prosperitätsphase der Krise 2009? Was sagen die nackten Zahlen? Der IMF (International Monetary Fund) meldet in seinem Jahresbericht 2009 ein durchschnittliches jährliches Wachstum des weltweiten Bruttosozialprodukts von 3,1% 1991-2001 und erwartet für 2003-2014 durchschnittlich ca. 3,6% trotz der Krise 2009 mit einem weltweiten Rückgang von -1,1% bei einer gleichzeitig fallenden Inflation von 2,4% 1991-2001 auf ca. 1.8% 2003-2014. Zu beiden Veränderungen tragen im wesentlichen die Schwellen- und Entwicklungsländer bei (IMF 2009, S. 169, 177).

2003-2015 als Prosperitätsphase zu verstehen ist angesichts der anhaltenden Wachstumsrückgänge in der westlichen Welt nur möglich, wenn die Kondratieff-Zyklen ihrerseits übergeordneten Wellen angehören, die sich derzeit historisch mit dem Verlust der US-Hegemonie im Abschwung befinden. Das könnte auch Erklärung für eine relativ lange Erholungsphase seit 1990 sein, die sich nur sehr schwer gegen den inflationären Trend durchsetzen kann. Die für diese Phase typischen Deflations-Tendenzen haben sich aufgrund der Verschuldungspolitik der USA noch längst nicht behaupten können.

Bisher hat sich noch keine anerkannte Basisinnovation durchgesetzt. Es ist offen, ob bereits in den kommenden Jahrzehnten China und Indien technologisch eine führende Rolle übernehmen werden. Nanotechnologie bleibt ein unbestimmtes Schlagwort, das nicht klar fassbar ist. Optische und Solartechnologien decken einen riesigen Bereich ab, dessen Konturen ebenfalls bisher undeutlich bleiben. Als Aufgabenstellung kann aber festgehalten werden, dass es darum geht, den bestehenden schwerfälligen Produktions- und Infrastrukturapparat zu ersetzen durch intelligente dezentrale Technologien und intensivere Nutzung lokal verfügbarer natürlicher Ressourcen. PCs und die intensive Verwendung von Mikrochips in Geräten unterschiedlichster Art sind ein Vorbote, der bereits in den 1990ern das Berufs- und in den 2000ern das Freizeitleben radikal geändert hat. Derzeit entwickelt sich eine Lücke zwischen den individuellen Verhaltensweisen und Erwartungen einerseits und den traditionellen gesellschaftlichen Institutionen wie Kirchen, Parteien, Vereinen, Gewerkschaften oder Universitäten andererseits, deren Folgen kaum abschätzbar sind. Richard Florida sieht hier das Entstehen einer neuen kreativen Klasse seit den 1980ern, die sich sowohl von den Bohemiens wie dem Proletariat unterscheidet. Negri und Hardt sprechen von einer Multitude.

Es scheint so, als fehlt den klassischen Industrieländern des Westens und Japans der Wille und die Kraft, eine Wende einzuleiten. Zu starr wird dort an den liebgewonnenen, überlieferten Strukturen festgehalten. Verkrustete Strukturen in Forschung, Bildung und Gesundheit werden von denen zäh verteidigt, die ihre Privilegien in Gefahr sehen. Länder wie China versuchen einen Weg zu gehen, zunächst einmal ihren Wettbewerbsvorteil dank niedriger Löhne in der Exportindustrie auszuspielen, auf diesem Weg über Joint Ventures Zugang zu bereits eingeführten Technologien zu bekommen und eine eigene, größere industrielle Basis aufzubauen, und sich so auf eine führende Rolle auch in der Entwicklung neuer Technologien vorzubereiten. In einem ehrgeizigen Technologieplan werden vorrangig die 11 strategischen Felder Energie, Wasser, Umwelt, Landwirtschaft, Produktionstechnologie, Transport, IT und Services, Gesundheitsvorsorge, städtische Entwicklung, öffentliche Sicherheit und Nationale Verteidigung bearbeitet. In dem 9-köpfigen Politbüro sitzen 8 Ingenieure und ein Geologe, also eine diametral entgegensetzte Zusammensetzung, wenn die Vorstände westlicher Großunternehmen verglichen werden, in denen Betriebswirte und Juristen die Techniker und Naturwissenschaftler verdrängt haben (Tagscherer 2008, S. 3, 5).

"Was die Zahl seiner Forscher betrifft, so rangiert China seit dem Jahr 2000 hinter den Vereinigten Staaten und vor Japan an zweiter Stelle. ... Bei den Veröffentlichungen im Bereich der Nanotechnologie rangiert China global bereits hinter den Vereinigten Staaten an zweiter Stelle. Der Anteil der chinesischen Patentanmeldungen beträgt 3% aller im Rahmen des Vertrags über die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Patentwesens (PCT) der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) gestellten Anträge und verdoppelt sich alle zwei Jahre." (OECD-Prüfungen im Bereich Innovationspolitik: China, S. 10)

"Chinas reale Bruttoinlandsaufwendungen für FuE entsprachen 2008 13,1% der OECD-Gesamtaufwendungen, gegenüber rd. 5% im Jahr 2001." (OECD-Wissenschafts-, Technologie- und Industrieausblick 2010, Zusammenfassung in Deutsch, Paris 2010, S. 3)

Der OECD-Bericht nennt zwar auch alle Gefährdungen, die China auf diesem Weg drohen, aber es kann die Prognose gewagt werden: 1990 hat ein neuer Kondratieffzyklus begonnen. An seinem Anfang standen 1989 der Zusammenbruch des Sowjetimperiums und 2000 mit der Dotcom-Krise die Wende in der amerikanischen Technologieführerschaft. Das führt bereits in einer ersten Phase zu einer Verschiebung nach China. In einer zweiten, möglicherweise 2015 einsetzenden Phase kann das in China angewachsene innovative Potential freigesetzt werden, und die klassischen Industrieländer werden nur noch vor der Alternative stehen, diesen Weg zu unterstützen oder in die Zweitrangigkeit zurückzufallen. Größtes Hindernis sind nach wie vor eine fehlende neue Weltwährungsordnung, die den Dollar als Leitwährung ablöst, und - zumindest aus europäischer Sicht - eine veränderte Gesellschaftsordnung, die in Ländern wie China, Indien und möglicherweise aufstrebenden islamischen Nationen größere individuelle Freiheiten gewährt, um das kreative Potential voll entfalten zu können.

Langfristige Preistrends (Stadt und Land, Hegemonialkonflikte)

Die einzelnen Kondratieff-Zyklen haben eine unterschiedliche Kraft. Das wird mit dem Einfluss eines tieferliegenden langfristigen Preiszyklus zu erklären versucht, der in Europa seit 800 beobachtet werden kann. Seine Ursache sind historische Verschiebungen im Verhältnis von Stadt und Land. Wallerstein und Arrighi interpretieren - mit im Detail unterschiedlichen Argumenten - diese Zyklen als Hegemonial-Zyklen, in denen sich jeweils eine weltökonomische Hegemonialmacht behauptet. Der Kondratieff-Zyklus seit 1990 ist durch den Niedergang der US-Hegemonie geprägt.

Hegemonialzyklen und Inflationen

Hegemonialreiche entstehen durch Ausweitung oder Eroberung landwirtschaftlicher und natürlicher Ressourcen (Rohstoffquellen). Wenn sie ihre Basis völlig erschöpft haben und unfähig zu einem Kurswechsel sind, bleibt ihnen nur die Möglichkeit, in der Inflation einen Ausweg zu suchen. Neuaufstrebende Mächte werden militärisch bekämpft, was zusätzlich exponentiell steigende Militärkosten verursacht und der Entwicklung der gesamten Wirtschaft Kräfte entzieht.

Inflationen gehen immer auf politische Entscheidungen zurück, massiv die Geldmenge zu erhöhen. Historisches "Vorbild" ist der Untergang des Römischen Reiches. Damals war die Technik des Gelddruckens noch nicht bekannt. Inflation konnte daher nur durch Entwertung der Metallzusammensetzung der Münzen erzeugt werden:

Figur 13: Gramm Silber je Denar in der spätrömischen Kaiserzeit, von 20 - 260

Mehr als 200 Jahre lang wurde während der Kaiserzeit systematisch das Geld entwertet. Am Ende stand die Herrschaft der Soldatenkaiser 235-285. Quelle: Drexhage H.-J., Konen H. und Ruffing, K., "Die Wirtschaft des Römischen Reiches"; Berlin 2002, S. 205-206, übernommen in: Peter Kugler "Inflation: Geschichte und Ursachen", Link

Auch die anderen historischen Inflationen wurden durch unbezahlbare Kriegskosten verursacht: Kipper und Wipper um 1620 (Ablösung der Vorherrschaft Spaniens durch die Niederlande), Hyperinflation in Frankreich 1791-96 (Hegemonialkrieg mit England), Aufhebung des Goldstandard bei Kriegsbeginn 1913/15 und nachfolgende Inflation in Europa in den 1920ern (England kann den Goldstandard nicht mehr wiederherstellen und verliert seine Hegemonialposition an die USA), Aufhebung des Goldstandard durch US 1971, ausgelöst durch die wachsenden Militärkosten des Wettrüstens und den Vietnam-Krieg.

Das spricht für die Theorie der Hegemonialzyklen, die den militärischen Aspekt in den Vordergrund stellt. Jede Hegemonialmacht sichert sich durch ein Monopol an der jeweils entscheidenden Militärausrüstung ab. Die online verfügbaren Ergebnisse des Projekts "Imperium oder Hegemonie" von Ulrich Menzel an der Universität Braunschweig liefern umfangreiches Material ( Link ). Genua und Venedig dominierten 1260 - 1480 dank ihrer überlegenen Technik beim Schiffbau und der Navigation. Spanien profitierte 1520 - 1650 vom Monopol an den Silberminen in Südamerika, was ihm den Aufbau einer überlegenen Armee in Europa (Flandernarmee) sowie der Atlantikflotte (Armada) erlaubte.

1609-1713 waren die Niederlande Vorreiter der Strategie der modernen weltweiten Hegemonialmächte. Mit den Gewinnen des von ihnen dominierten Welthandels kann am lokalen Standort eine technologisch weit überlegene Industrieproduktion aufgebaut werden, die zugleich den Vorsprung in der Militärtechnik sichert. Die Hegemonialmächte haben in zunehmendem Maße die Kraft, weltweit die Produktionsstätten auf eine Weise zu verteilen, dass die koordinierende Handelsmacht in ihrer Hand liegt und alle anderen Regionen spezialisiert bleiben und nicht den Status gleichrangiger Nebenzentren erringen können. In dieser Rolle wurden die Niederlande 1713 von Großbritannien und 1930 von den USA abgelöst. (Ulrich Menzel und sein Projekt kommen hier im einzelnen zu den gleichen Zyklen 1919/1945 - 1990 und 1990 - 2030, die oben als Kondratieff-Zyklen vorgestellt wurden.) In den Hegemonialkonflikten heute ist daher die entscheidende Frage, ob es zu selbständigen Handelsbeziehungen zwischen China, Indien, Brasilien und Rußland kommen wird, den derzeit aufstrebenden Wirtschafsgebieten.

Seit der Industrialisierung ermöglichen die Hegemonialzyklen die Kondratieff-Zyklen, da offenbar nur unter der Hegemonie eines bestimmten Landes als Technologieführer die jeweiligen globalen Projekte umgesetzt werden können. Der rein militärische Aspekt der Theorie der Hegemonialzyklen scheint mir jedoch übertrieben. Hier wird die These vertreten, dass langfristige Änderungen im Verhältnis von Stadt und Land die Ursache sind.

Verhältnis von Stadt und Land

Die Geldwirtschaft ist in Europa mit dem Feudalismus entstanden. Das war nur möglich aufgrund einer langen Phase der Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft von 800 bis 1100. Seither konnten sich der Austausch zwischen Stadt und Land und der internationale Handel entwickeln. Langfristige Preistrends bestimmen die Wirtschaft und spiegeln langfristige Verhältnisse zwischen Stadt und Land wider: (1) Wenn die Landwirtschaft floriert, gibt es stabile Preise. (2) Aufgrund wachsenden Wohlstands und besserer landwirtschaftlicher Versorgung gewinnen Städte und Handelszentren an Macht. Ein ständig größerer Anteil der gesellschaftlichen Ressourcen wird auf die Städte und die dort entstehende Kultur und Wissenschaft verlagert und der Landwirtschaft entzogen. Das führt zu Phasen der Inflation, die schließlich in epochalen Krisen münden. Die Preise der landwirtschaftlichen Güter sind bestimmend für die langfristigen Preiszyklen.

Warum die Preistrends 150 Jahre dauern ist meines Wissens nicht bekannt. Die Datenbasis ist auch nach wie vor unsicher. Es kann letztlich nur natürliche Ursachen haben, da offenbar 150 Jahre erforderlich sind, um die Landwirtschaft langfristig nachhaltig auszubauen bzw. zu unterminieren. Möglicherweise liegen langfristige klimatische Zyklen oder Zyklen der Bodenentwicklung zugrunde.

             

Figur 14a, 14b, 14c: Konsumentenpreise in England 1200 - 2010, Hegemonialmächte

Quelle: Figur 14a, 14b aus: Peter Kugler "Inflation: Geschichte und Ursachen", Link, Figur 14c gemäß Ulrich Menzel: "Imperium oder Hegemonie".

Übersicht der bisherigen Preistrends

Entstehen, Aufstieg und Krise des Feudalismus 800-1100 Produktivitätsentwicklung in der Landwirtschaft, Entstehen der Geldwirtschaft in Westeuropa, Karolinger, Romanik
  1100-1250 Preisstabilität, Aufblühen der Städte und einer städtischen Kultur in dezentralen Zusammenhängen, Entstehen des internationalen Getreidehandel, Gotik
  1250-1350 Inflation, verheerende Epidemien und Pest, Naturkatastrophen, Wüstungen (Verfall großer Landwirtschaftsflächen, zu wenig Arbeitskraft wird in die Landwirtschaft investiert), Revolten in den Städten, Bauernkriege und Ketzerbewegungen, an deren Rändern entstehen die ersten Ideen der modernen Naturwissenschaft (Experimentalwissenschaft, Empirismus, erste Ideen für Infinitesimalrechnung, Impetusbegriff)
Renaissance und Gegenreformation 1350-1500 Preisstabilität, Wiederaufbau in Westeuropa, Entstehen des Ingenieurwesen, Bergbau in Böhmen, Fortschritte der Landwirtschaft in Süddeutschland, Aufschwung in Norditalien (Florenz, Mailand, Venedig), Laienbewegung (Volkssprache wird Wissenschaftssprache, Naturerkundungen bis zum Überschreiten des Wissensstand von Aristoteles, religiöse Reformideen, Medizin, Alchemie)
  1500-1650 Preisverfall, Zustrom von Edelmetallen aus den amerikanischen Kolonien, Krise der Landwirtschaft in Europa, Dominanz der Kolonial- und Militärmacht Spanien, an den Rand gedrängt entwickeln sich Industrie und Forschung in den Niederlande, England und Schweden, Sieg über Spanien (England schlägt die Armada, Niederlande behaupten die Unabhängigkeit, epochale Krise im 30-jährigen Krieg begleitet von der Inflation der Kipper und Wipper)
Absolutismus, Industrialisierung und Weltmarkt 1650-1780 Preisstabilität. Raubbau führt zur Krise der Edelmetallzufuhr aus Amerika. In Europa erlebt die Landwirtschaft einen langfristigen Aufschwung. Einsatz von neuen Technologien in der Holzbearbeitung und Wasserwirtschaft in Holland, Bergbau und Eisentechnologie in Schweden, neue Technologien in England. Epochale Krise ab 1750. Aufklärung, Unabhängigkeit der USA, Französische Revolution
  1780-1930 langfristig anhaltende, schleichende Inflation, Industrialisierung entzieht der Landwirtschaft Ressourcen, ermöglicht aber zugleich Produktivitätssprung in der Landwirtschaft durch Einsatz von Düngemitteln mit langfristig negativen Wirkungen durch Auslaugung der Böden, Agrarkrise in Europa mit Entstehen des internationalen Getreidehandel und Getreideeinfuhr aus Südamerika, Armut zwingt zu Auswanderungswellen von Europa nach Amerika, in verheerenden Kriegen wird um die Hegemonie auf dem entstehenden Weltmarkt gerungen
  1930-2080? galoppierende Inflation statt Wende in Preisstabilität, Massenproduktion und -konsum, Krise der Landwirtschaft, Gesundheit und Bildung, wachsende Destruktivität in der Gesellschaft, möglicherweise ist 2005 der Scheitelpunkt dieser Epoche überschritten

Nahrungsmittelpreise und Reallöhne bis 1900

Bis 1900 gibt es einen klar erkennbaren direkten Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelpreisen und Reallöhnen. Wenn die Kosten für Nahrungsmittel steigen, weil gesellschaftlich der Landwirtschaft Ressourcen entzogen werden und das Angebot kleiner und die Qualität schlechter werden, dann fallen auch in den Städten die Reallöhne. Der größte Teil der Löhne wird durch die steigenden Kosten für landwirtschaftliche Produkte absorbiert. Daher können die Lohnarbeiter in den Städten nicht von deren Aufschwung profitieren.

Dieser Zusammenhang lässt sich am besten am Beispiel von England nachweisen, das in der Industrialisierung allen anderen Ländern voranging. Über die Reallöhne liegt eine historische Darstellung vor, die die genannten langfristigen Preistrends bestätigt.

Figur 15: Real Wages: English Building Craftsmen, 1264-1954

Quelle: Walt Witman Rostow "The World economy", Austin 1978, S. 85

In der Phase der Preisstabilität 1350-1500 ist ein starkes Ansteigen der Reallöhne zu sehen. Die Krise der Landwirtschaft ab 1500 führt auch zum Verfall der Reallöhne in den Städten. Ab 1700 (in England bereits deutlich früher) stabilisieren sich die Preise der landwirtschaftlichen Güter wieder und die Reallöhne steigen. Bereits 1750 kehrt sich der Trend um, die Weizenpreise steigen und die Reallöhne fallen. Das war in Frankreich einer der Auslöser der Revolution. Im 19. Jahrhundert wendet sich das Blatt erneut: Fallende Weizenpreise und steigende Reallöhne. Erst 1900 werden wieder die Reallöhne von 1500 erreicht.

Figur 16 Weizenpreis, Historische Entwicklung seit 1700 in Nominalpreisen

Quelle: Wellenreiter-Invest, 6.10.2007

Neue Trends im 20. Jahrhundert (versteckte Inflation, aufgeschobene Krise)

Seit 1900 entkoppelt sich zeitweise dieser Zusammenhang, was dazu geführt hat, dass die wahre Inflation und der sinkende Anteil der Ressourcen für die Landwirtschaft erfolgreich versteckt werden konnten. Mit der technischen Entwicklung werden industriell gefertigte, langlebige Konsumgüter und Mieten wichtiger, der Anteil der Ausgaben für Nahrungsmittel am Lohneinkommen sinkt. Obwohl im 20. Jahrhundert die Weizenpreise im Trend steigen und nur 1970 - 2005 vorübergehend konstant waren, konnten dank der neuen technischen Konsumgüter dennoch gleichzeitig die Reallöhne steigen. Das wird sich allerdings nicht unbegrenzt fortsetzen, wenn sich die auf dem Lande verschlechternde Situation auch in steigenden Kosten für Energie und Gesundheit auswirken wird (Verfall der Qualität von Landwirtschaftsprodukten einschließlich Luft und Wasser, Verdrängungswettbewerb zwischen Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung, Dürreperioden als Folge der Klimaentwicklung mit negativen Auswirkungen für die Landwirtschaft).

Auch wenn der Anteil der Nahrungsmittel am Gesamtverbrauch der Konsumenten ständig fällt, ist noch die über Jahrhunderte entstandene Grunderfahrung tief im Bewußtsein verankert, die Sicherheit der eigenen wirtschaftlichen Situation am Preis der Nahrungsmittel zu messen. Solange die Preise für Grundnahrungsmittel ungefähr konstant bleiben und auf keinen Fall stärker steigen als die Löhne und Gehälter, macht sich niemand große Sorgen, selbst wenn gleichzeitig Aktien und Immobilien immer teurer werden. Das wird im Gegenteil sogar als Aufbau der eigenen Rücklagen missverstanden, der quasi wie geschenkt kommt. Niemand mag sich vorstellen, dass das alles auf einen Schlag wertlos werden kann. Die öffentliche Berichterstattung unterstützt diese falsche Wahrnehmung nach Kräften. Die Inflation wird nicht mehr am Verhältnis der Geldmenge zur Gütermenge dargestellt, wie es selbstverständlich sein sollte, sondern an den Preisen für einen Warenkorb von typischen Verbrauchsgütern. Diese Preise müssten eigentlich wie alle Warenpreise fallen, da wir uns in einer deflationären Phase befinden, in der sich die historisch einmaligen Produktivitätssteigerungen in geringeren Kosten und folglich fallenden Preisen auswirken müssten. Die Preise dieses Warenkorbs müssten daher fallen. Stattdessen bleiben die Preise gleich. Adam Hamilton hat das am Beispiel des Weizenpreises untersucht: Der nominale Weizenpreis wird von 1970 bis 2006 weitgehend konstant gehalten. Er hält diesen Preis für politisch gesteuert. Die Nationalbanken erhöhen die wahre Inflation (Verhältnis der Geldmenge zur Gütermenge) in einem Maß, dass die Nahrungsmittel- und Energie-Preise ungefähr ihr Niveau halten. Sie wollen gerade so viel Geld drucken, dass der Verbraucher beim täglichen Einkaufen die wahre Inflation nicht wahrnimmt und keine Inflationsängste entwickelt. Er wird das erst später spüren, wenn seine Rücklagen für das Alter entwertet sind. Anders gesagt: Die künstliche Aufblähung des Papiergeldes (M2- und M3-Geldmenge) geht genau so weit, dass sie mit der objektiven Tendenz zur Deflation im Gleichgewicht bleibt. (Ähnlich argumentiert Peter Boehringer in seinem Finanzbrief 2005-01.)

Figur 17 Weizenpreis der Sorte "US #2 Hard Red Winter" gehandelt in Kansas City 1970-2007

Die rote Kurve und die roten Zahlen zeigen die Nominalpreise. Sie bleiben in einem inflationären Umfeld konstant. Die blaue Kurve und die blauen Zahlen zeigen inflationsbereinigte Preise auf Basis des US-Dollars von 2007, gemessen am Verbraucherindex. Das wahre Ausmaß der Deflation (Preisverfall) ist gemessen an der M2- oder M3-Geldmenge noch weit größer. Quelle: Adam Hamilton: "Weizen und Inflation" (12. Oktober 2007) in: "Terminmarktwelt", y Link

Irgendwann kommt das böse Erwachen, wenn die Schuldtitel ihren Wert verlieren und vom Staat erwartet wird, die Besitzer der Schuldtitel und deren Vermittler, das sind die Banken, zu "retten". Vermögensberater empfehlen daher, in Edelmetallen statt Schuldtiteln zu sparen. Das ist aber nur für die Selbständigen möglich, die ihre Altersvorsorge selbst aufbauen und nicht für die Lohn- und Gehaltsempfänger mit unterem und mittlerem Einkommen, die kein Geld zurücklegen können und auf die staatliche Altersvorsorge und betrieblichen Pensionskassen angewiesen sind, die die von ihnen verwalteten Rücklagen vor allem in Anleihen und Aktien anlegen. (Die Empfehlungen der Vermögensberater zeigen Wirkung und haben dazu beigetragen, inzwischen den Goldpreis ähnlich hochzutreiben wie früher den Preis für Aktien und Immobilien. Erneut wird der bestraft, der zu spät kommt, und der begünstigt, der an der Quelle der Inflation sitzt, derzeit immer noch die Druckmaschine für Dollars. Niemand kann ausschließen, dass es zu einschneidenden Maßnahmen kommen muß und die Politik völlig die Richtung wechselt und Edelmetalle zu Zwangspreisen einsammelt, wie es bereits in den 1930ern unter Roosevelt in den USA geschehen ist, um wieder Gerechtigkeit zwischen den Generationen und den Gewinnern und Verlierern der inflationären Entwicklung herzustellen.)

Häuserpreise in Amsterdam

Abschließend das Beispiel einer sehr gut dokumentierten langfristigen Preisentwicklung, die die bisherigen Thesen unterstützen soll. In Amsterdam werden seit 1628, d.h. seit dem Aufbau dieser Stadt, fortlaufend die Häuserpreise am Herengracht Canal berichtet.

Figur 18: Häuserpreis am Herengracht Canal Amsterdam 1628-1973

Quelle: Jack Malvey (Lehman Brothers): The Global Capital Markets on the Threshold of the Teens: Cyclical Second Wind or Slow Road to Recession, AICPA Conference Nov 2007.

Bis 1650 gibt es einen Preisverfall. Als sich die Niederlande gegen Spanien durchgesetzt haben, können sie eine dauerhaft starke Position halten und die Wirtschaft langfristig entwickeln. Die Preise bleiben 1650 - 1780 stabil. Die niederländische Wirtschaft leidet dann unter dem britisch-französischen Hegemonialkonflikte und den napoleonischen Eroberungen. Die Preise fallen 1780 - 1815. Seither klettern die Preise wieder, wobei jedoch die Realpreise nicht den langfristigen historischen Durchschnitt überschreiten. Die Industrialisierung ist aber durch eine inflationäre Grundtendenz geprägt. Die Nominal-Preise wachsen ständig schneller als die Realpreise. Die Wirtschaftskrise nach 1929 hat das für einen Moment fast ausgleichen können, seither explodieren aber die Nominalpreise geradezu. Das Leben in den Städten wird tendenziell unbezahlbar, wenn so viel Geld für Mieten ausgeben werden muß.

IT-Zyklen

Die IT-Zyklen sind von besonderem Interesse, da hier in den 1980ern mit dem Übergang von Großrechnern zu Personalcomputern (PCs) exemplarisch das Ende der Massenproduktion zu sehen ist (und damit das Ende des Fordismus und des Keynesianismus). Wenn davon ausgegangen wird, dass eine durchgreifende Lösung der Krise nur durch intelligentere, auf lokale Ressourcen gestützte Technologien in lose verbundenen Netzwerken möglich sein wird, ergibt sich daraus die weitere Bedeutung der IT. Zugleich ist die IT Vorreiter einer langfristigen Entwicklung hin zu einer neuen Art der Kreativität, die vor allem mit technisch unterstützter Symbolbearbeitung zu tun hat. Die Möglichkeiten des Internet und Mobilfunks sind ein erster Vorbote. Die Euphorie der 1990er über die New Economy war ein Missverständnis, enthält aber dennoch Elemente, die nach dem Katzenjammer über die dotcom-Krise und die derzeit zu beobachtende Verflachung des Web 2.0 in einer dritten Phase deutlicher hervortreten werden.

10-jährige Zyklen seit 1943

Die Information Technology (IT) entwickelt sich seit 1943 in 10-jährigen Zyklen. Bisher waren die Zyken vor allem technik-getrieben. Das hat sich jetzt radikal geändert. Der Zylus 1990-2000 brachte die Vernetzung und das Internet. Der Zyklus 2000-2009 Web 2.0. Hier waren die neuen Ideen erkennbar: Der Schwerpunkt verlagert sich von der Industrie in den Consumerbereich. Mit Linux setzt sich die Open Source Idee durch. Maßgebliche Software wird nicht mehr von großen Konzernen wie Microsoft (und jetzt nochmals auf einem anderen Gebiet Google) geschrieben, sondern von freien Netzwerken. Diese Entwicklung ist Trendsetter eines neuen Arbeitsmodells, das sich von der IT ausgehend auch in anderen Bereichen durchsetzen könnte. Es verlangt jedoch ein radikales Umdenken.

1943 - 1953 Pionierphase (Zuse, ENIAC)
1953 - 1963 Technische Projekte, Maschinensprachen (Assembler)
1963 - 1973 Kommerzielle Projekte (COBOL), Hochschulprojekte (ALGOL, Unix, Lisp)
1973 - 1983 Universalrechner (IBM), Datenbanksprachen (SQL, 4GL-Sprachen)
1983 - 1993 Personalcomputer (Apple, Microsoft, Intel)
1993 - 2003 weltweite Netzwerke (Internet, Mobilfunk)
2003 - 2013 Web 2.0, Open Source

Nefiodow (Vortrag 2002) betrachtet erst die Entwicklung ab 1953 und fasst jeweils 2 Jahrzehnte in eine Phase zusammen. Er deutet den Zeitraum 1950 - 2010 als einen Kondratieff-Zyklus, der jetzt zuende geht. Für ihn sind die Möglichkeiten der IT damit weitgehend ausgeschöpft, und er erwartet neue Aufgaben auf dem Gebiet der Gesundheit.

IT-Megatrends

Für Forrester Research ist die Krise 2008-09 nur Vorbote neuer Megatrends, die 2015 voll sichtbar sein werden. (Die von Forrester 2009 beschriebenen Megatrends dienen hier als Ausgangspunkt und werden fortlaufend überarbeitet.)

Globalisierung Phase 2: China / Indien / Brasilien / Rußland werden in absehbarer Zeit Nordamerika / Westeuropa (G6) überholen. Globale Unternehmen werden daher alle Bereiche von Forschung bis Supply Chain globalisieren müssen. Lokales Management wird an Bedeutung gewinnen. Es wird einen internationalen Wettkampf der Fachkräfte untereinander geben. Es wird zugleich einen internationalen Kampf um solche Manager und Fachkräfte geben, die in der Lage sind, globale Prozesse zu managen. Globale virtuelle Teams gewinnen an Bedeutung, unterstützt durch Wikis, Blogs etc, statt der klassischen pyramidalen Hierarchien.

Invisible IT: IT wird aufgehen in die Geschäftsbereiche (Business Technology). Die Geschäftsbereiche definieren ihre eigenen globalen Anforderungen und werden direkt mit den jeweiligen Anbietern von IT-Lösungen sprechen. Jeder Geschäftsbereich wird seine eigenen Anforderungen bestimmen und weniger bereit sein, standardisierten unternehmensweiten Modellen zu folgen. Vorreiter werden neue E-Business-Anwendungen und Apps sein, mit denen Geschäftsbereiche direkt Kontakt zu ihren jeweiligen Geschäftspartnern herstellen (Kunden, Lieferanten, Service-Technikern, Informations-Anbietern, staatlichen Behörden). Die klassischen ERP-Pakete (Enterprise Resource Management) wie SAP und Oracle haben den Höhepunkt ihrer Bedeutung überschritten.

Verbraucherorientierung (consumerization): Oracle oder SAP entwickeln ständig neue Funktionalität, aber verlieren die Akzeptanz der Anwender, die nur mit solchen Programmen arbeiten wollen, wie sie die aus dem Internet kennen. Fast alle Verbraucher sind an das Internet angeschlossen, die Performance der Netzzugänge hat sich deutlich verbessert, und daraus resultiert eine immense Nachfrage nach unterschiedlichsten Internet-Angeboten, die den Software-Anbietern weiter eine große Zukunft geben. Inzwischen sind viele Beschäftigte privat technisch weit besser ausgestattet als im Beruf (leistungsfähigere PCs, besserer Netzanschluß, Smartphones, Tablet PCs) und werden darauf bei ihrer Berufsarbeit nicht verzichten wollen.

Dezentralisierung: Entwickler sind heute nicht mehr auf die Infrastruktur (Entwicklertools, Rechner) angewiesen, die nur ein großes IT-Unternehmen anbieten kann. Sie können alle erforderlichen Tools lokal einrichten, Web-Anwendungen entwickeln und diese global anbieten. Bei Facebook waren 2009 400.000 Entwickler vernetzt, die 24.000 Anwendungen anbieten. Entwickler können sich unabhängig von großen Software-Anbietern in Gemeinschaften (communities) nach dem Vorbild der Open Source Entwicklung zusammenschließen. Auf der anderen Seite wird unter den etablierten Softwareanbietern eine weitere Konzentration auf wenige große Unternehmen erwartet.

Sicherheit: Alle Zukunftsforscher erwarten bis 2015 mindestens einen großen Crash kritischer EDV-Anwendungen, der einen ganzen Staat oder ein ganzes Unternehmen lahmlegen wird. Der Stuxnet-Angriff auf die Nuklearindustrie im Iran war ein Vorbote.

Produktentwicklung: Die meisten Firmen werden "intelligente" Produkte entwickeln, deren Innovation in eingebauten IT-Komponenten besteht. Unternehmen werden sich nicht durch den besseren Support kaufmännischer Anwendungen und der IT Infrastruktur (die klassischen Aufgaben der unternehmensinternen IT-Abteilungen) unterscheiden, sondern durch die Fähigkeit ihrer Forschungs- und Produktentwicklungsabteilungen, neue IT-Technologien frühzeitig zu erkennen und zu nutzen. Beispiele: Sensor- und Netzwerktechnik, Materialwissenschaft, Fortschritte bei der Gehirnforschung mit Entwicklung neuer Benutzerschnittstellen für alle nur denkbaren Produkte, Robotertechnologien.

Technologie-Trends: X Internet (Extended Internet) mit Frontends auf Geräteebene wie z.B. Rfids, Information Workplace (große Mobilität, eher HomeOffice als klassischer Büroarbeitsplatz), dynamische statt statische ERP-Anwendungen (nahe am Endanwender, Benutzeroberfläche wie aus dem Consumer-Bereich, leicht anpassbar an veränderte Geschäftsmodelle). Semantic-Web und Meta-Web (bessere Verknüpfung von Daten und Informationen, die bisher nur über Suchmaschinen angeboten und vom Anwender bewertet werden müssen). Daraus resultieren neue Anforderungen an Stammdatenverwaltung (Master Data Management) und GRC (Governance, Risk und Compliance), um die Konsistenz der Daten, Sicherheit der Anwendungen und Datenschutz zu gewährleisten..

Figur 19: Entwicklung des Semantischen Web

Das Development, Concepts and Doctrine Centre (DCDC) hat diese Übersicht in seiner Studie "Global Strategic Trends - out to 2040" von Radar Networks (jetzt bei Evri) übernommen; Link. Für alle hier dargestellten Begriffe können in Wikipedia weiterführende Informationen gefunden werden. Am Markt sind bereits alle Großen aktiv: Google hat 2010 Metaweb übernommen, Microsoft schon 2008 Powerset An der FU Berlin und Uni Leipzig wurde im Rahmen des Wikipedia-Projekts DBpedia gegründet.

Bewertung und Zukunft der IT

Bis heute gibt es keine Gesamteinschätzung der Bedeutung und der Wirkungen der IT. Dem OECD-Millenniumsbericht von Maddison ist die große Enttäuschung anzumerken, dass entgegen allen Erwartungen der Einsatz von IT nicht zu den erhofften Produktivitätssteigerungen geführt hat. Im Gegenteil ist der Zuwachs der Produktivität sogar dramatisch gefallen.

"In den Jahren 1950-1973 hatte die Arbeitsproduktivität jährlich um 2,8% zugenommen. Zwischen 1973 und 1998 fiel die Zuwachsrate auf 1,5%; das war die niedrigste seit 1870 jemals über längere Zeit verzeichnete Rate. Zwischen 1913 und 1973 lag das Wachstum der gesamten Faktorproduktivität (d.h. die Reaktion der Produktion auf den kombinierten Einsatz der Faktoren Arbeit und Kapital) in den Vereinigten Staaten im Schnitt bei 1,6-1,7% jährlich. Zwischen 1973 und 1998 wurde etwa ein Drittel dieses Wachstumstempos erreicht." (Maddison, S. 153)

Am auffallendsten ist der Stillstand des Wachstums der Produktivität innerhalb der IT selbst. Trotz aller Bemühungen hat sich die Produktivität bei der Software-Entwicklung seit 1973 kaum verändert. Ich gehe davon aus, dass eine Umwälzung erst möglich wird, wenn die in den 1940ern entwickelte Grundlage (Theoretische Informatik auf Basis von Linearer Algebra und Wahrscheinlichkeitstheorie) verlassen wird. Hier sind die gleichen Grenzen erreicht wie bei den überlieferten mathematischen Methoden der Betriebs- und Volkswirtschafslehre (siehe dazu auch Mathematik und Ökonomie).

Krise der Kreativität

Eine Krise droht dann in eine epochale Krise vergleichbar den Krisen 1400 oder 1800 überzugehen, wenn sie gleichzeitig zu einem Rückgang aller wirtschaftlichen Aktivitäten und zu einer Selbstblockade der kreativen Fähigkeiten des Menschen führt, die für einen Ausweg und einen Aufschwung gebraucht werden.

Zahlreiche Anzeichen deuten darauf hin, dass sich eine solche kritische Situation zumindest heranbildet. In den öffentlichen Medien und in den Parteiprogrammen kann fast nirgends mehr die Wahrheit offen ausgesprochen werden. Der Hörer bzw. Leser ist darauf angewiesen, die Botschaften zwischen den Zeilen zu verstehen. Auch in den Wirtschaftsunternehmen verstärken sich Tendenzen, Großprojekte "politisch" zu führen, d.h. dem Machtkampf unterschiedlicher Abteilungen und Bereiche unterzuordnen, statt realistische Ziele und Zeitpläne zu vereinbaren, über die offen gesprochen werden kann.

Als erste nehmen die Schüler und jungen Heranwachsenden diese Situation wahr. In den Schulen zeigt sich eine "Motivations-Krise", da die Schüler spüren, dass eine weiter reichende Orientierung und gemeinsam anerkannte Werte fehlen.

Nefiodow hat in einem Vortrag 2002 die beunruhigenden Fakten zusammengestellt:

"Der weltweite Drogenmarkt erreicht jährlich ein Volumen von etwa 800 Mrd. US $.
Für Alkohol wird weltweit mehr ausgegeben als für Forschung (600 Mrd. US $ / Jahr).
Angst kostet die Weltwirtschaft jedes Jahr rund 1.000 Mrd. US $; jeweils ebenso hoch sind die durch Kriminalität sowie durch Korruption / Bestechung entstehenden Kosten.
Mindestens 30% aller Patienten, die einen Arzt aufsuchen, leiden vorwiegend an seelischen Erkrankungen.
Depressionen werden nach einer Studie der UNO in den nächsten 20 Jahren die zweithäufigste Todesursache sein.
42% der US-Amerikaner leben in Armut, rund 50 Mio. sind nicht krankenversichert, weitere 50 Mio. sind unterversichert
Mehr als 50% der Ehen in den USA gehen in die Brüche, 40% der amerikanischen Kinder wachsen nicht bei ihrem leiblichen Vater auf.
2% der männlichen Arbeitsbevölkerung der USA saßen 1995 hinter Gittern und unter Bewährungsaufsicht.
Jeder fünfte erwachsene männliche Amerikaner im erwerbsfähigen Alter ist kriminell.
Das Wegsperren eines Kriminellen kostet die USA jährlich etwa so viel, wie jemanden zur Harvard-Uni zu schicken. (...)
In Deutschland geht jeder vierte Millionenbrand in der Wirtschaft auf Sabotage zurück.
Jeder vierte Deutsche betrügt seine Versicherung.
Im deutschen Einzelhandel wird mindestens 8 Millionen Mal im Jahr gestohlen.
300.000 Minderjährige werden in Deutschland jährlich sexuell missbraucht.
60% der deutschen Führungskräfte leiden unter Neurosen wegen Überforderung." (Nefiodow 2002)

Er fasst zusammen, dass derzeit die durch Destruktivität und Krankheit verursachten Kosten ungefähr ein Drittel des Weltsozialprodukts betragen. Für ihn sind daher Basisinnovationen im Bereich Gesundheit zu erwarten, um neue tragfähige Kondratieff-Zyklen erreichen zu können.

Er hält eine Umorientierung des Gesundheitswesens für erforderlich. "Im 6. Kondratieff steht erstmals in der Geschichte keine Maschine / keine Hardware sondern der Mensch mit seinen seelischen, ethischen und sozialen Potenzialen im Mittelpunkt des Wirtschaftsgeschehens!!!"

So sehr er mit diesen Appellen recht hat, kann auf diese Weise nur erfolglos versucht werden, an den Symptomen zu arbeiten. In den bisherigen Kondratieff-Zyklen ist schrittweise die industrielle und inzwischen globale Infrastruktur aufgebaut worden. Sie ist technisch geprägt durch die Innovationen, die in den vergangenen Jahrhunderten zur Verfügung standen (Dampf, Eisen, Elektro, Chemie, Erdöl, Massenproduktion). Die gesellschaftlichen Ressourcen sind fast ausschließlich in diese Bereiche investiert worden, da es gleichzeitig möglich war, kurzfristig die Produktivität der Landwirtschaft durch den Einsatz von Düngemitteln und Motorisierung außerordentlich zu erhöhen. Die Folgewirkungen zeigen sich erst jetzt.

Alle Vorschläge von Nefiodow für eine Umorientierung des Gesundheitswesens sind richtig, aber reichen in dieser Weise nicht aus. Die gesundheitlichen Probleme erwachsen aus dem in den letzten Jahrhunderten entstandenen gesellschaftlichen Modell der Massenproduktion und des Massenkonsum. Das hat - um nur einige Stichworte zu nennen - zu der ungeheuren Mobilisierung, Informationsüberfülle und Erschöpfungszuständen geführt, die sich in den Krankheiten und der Kriminalität äußern. Um dies Problem lösen zu können, ist daher eine Umorientierung der Infrastruktur notwendig, die zu den Krankheiten führt.

Die Geschichte der Kondratieff-Zyklen war immer begleitet von großen Umwälzungen im Bereich Ausbildung und Gesundheit. Mit dem ersten Zyklus wurde ab 1800 die allgemeine Schulpflicht in Europa eingeführt. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts entstanden die Realschulen und Technischen Hochschulen, seit 1960 wurde die Universitätsausbildung sprunghaft gesteigert. Ihr Anteil pro Jahrgang stieg von 10% auf 50% und hat zu den heute bekannten Massenuniversitäten geführt. Das Gesundheitswesen wurde in Folge der neuen Entdeckungen in Chemie und Elektro völlig umgewälzt (Entwicklung neuer Medikamente und umfassende Ausstattung durch neue Behandlungsgeräte).

Das soll zeigen, dass Bildung und Gesundheit immer ein Thema waren. Heute geht es um neue Aufgaben, die erst undeutlich Konsens finden.

Womit Nefiodow sicher recht hat, ist die Schwierigkeit, dass dies ein Umdenken erfordert, das zugleich durch den aktuellen Zustand blockiert wird, den es zu bewältigen gilt.

An einigen Beispielen sollen mögliche Ausgangspunkte für neue Entwicklungen gezeigt werden:

Open Source ist inzwischen zum Trendsetter geworden. Für das Betriebssystem Linux und die Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulations-Software Star Office wurden die Programme allen zugänglich gemacht, die daran weiterarbeiten und die Produkte verbessern konnten. Die Entwicklung erfolgt nicht mehr durch einen Hersteller wie Microsoft, sondern durch eine große Community freier Software-Entwickler. Die nötigen Einnahmen kommen durch Support und Projekte herein. Seit 2006 breitet sich diese Idee fast explosionsartig auf andere Bereiche aus (siehe Crowdsourcing, Citizen Science). Mit der Verbreitung der Smartphones und der auf ihnen installierten intelligenten Software wird sich der Trend massiv fortsetzen, wenn in großem Stil Möglichkeiten der lokalen Datenerhebung verbreitet sind (z.B. Messungen von Radioaktivität).

Möglicherweise führt die Krise zum Zwang, dass viele sich wieder verstärkt der Eigenversorgung (Subsistenzwirtschaft) zuwenden müssen. Daraus könnte ein Trend entstehen, kostspielige Freizeitgestaltung wie heute üblich mit jährlichen Fernurlauben, Städtereisen etc aufzugeben zugunsten von Nebentätigkeiten in der Landwirtschaft. Das könnte die heute favorisierten work-life-balance-Konzepte grundlegend verändern.

Mich persönlich interessiert besonders: Neue mathematische Ideen warten weiter auf ihre Stunde. Nach wie vor ist alles dominiert von Linearer Algebra, Formaler Logik und den einfachen kaufmännischen Rechenmethoden, wie sie in Excel-Sheets genutzt werden. Neue mathematische Methoden liegen brach. Mathematik verkümmert zu einer historischen Wissenschaft, wie früher einmal mathematisch geforscht wurde.

Logik des Zerfalls bedroht Kreativität.

Paradigmen-Wechsel in der Psychiatrie notwendig. Siehe "Sanctuary Model" von Sandra Bloom.

Orientierungsfähigkeit der Marktteilnehmer (Aktien- und Goldmarkt, "Angst-Index")

Sind die Märkte so komplex geworden, dass ihre Signale nicht mehr gehört werden? Haben die fortschreitende Verschuldung der privaten Haushalte und staatlichen Organisationen und die verrwirende Berichterstattung dazu geführt, dass der Bezug zur Realität verloren gegangen ist? Hat die Finanzkrise seit 2007 endgültig das Vertrauen zerrüttet, Besonnenheit könnte in der heutigen Wirtschaftsethik irgendeine Bedeutung bekommen außer in hohlen Phrasen?

Eine Antwort können am besten die undurchsichtigsten Indizes geben: die Entwicklung des Goldpreises und das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien.

Gold ist überschaubar. Es gibt 2011 weltweit knapp 170.000 to, davon etwas mehr als die Hälfte in Schmuck und ein Fünftel als Reserve bei den Zentralbanken (siehe im Einzelnen die Gold Demand Trends des World Gold Council). Derzeit werden jährlich 2.000 - 2.500 to abgebaut. In den Goldpreis fließen (a) eine fast mythische Faszination des Goldes ein - seit der König Midas lernen mußte, dass niemand Gold essen kann -, (b) Teile der Industrienachfrage und damit der zyklischen Entwicklung der Produktion, für die Gold ein Rohstoff ist, (c) die Kaufkraft für Luxusprodukte, (d) Förderkosten für Gold und Ergiebigkeit der bekannten und genutzten Goldminen, sowie (e) ein instinktives Sicherheitsbedürfnis, das aus allen Papiertiteln in anfassbares Gold flieht. (f) Heute kommt erschwerend hinzu, dass Gold nicht nur als Metall erworben werden kann, sondern dass in der Regel Goldzertifikate gekauft werden, deren Einlösbarkeit jedoch gefährdet ist. (g) Für die Bewertung des Goldpreises sind die allgemeine Inflation und die relative Stärke oder Schwäche der Währung zu berücksichtigen, in der das Gold gehandelt wird. (h) Länder wie China und Indien beginnen einen eigenen Goldvorrat anzulegen. Dort entsteht eine neue Käuferschicht mit ausreichenden Einkünften, um Goldschmuck und Goldbestände kaufen zu können, die derzeit 40% der Goldnachfrage ausmacht. (i) Dies alles macht den Goldpreis anfällig für Spekulationen bis zu Verschwörungstheorien. Einige vermuten, dass der Goldpreis lange Zeit künstlich niedrig gehalten wurde, da die US Notenbank ein Interesse an einem niedrigen Goldpreis hat. Möglicherweise wird auch in kurzfristigen Aktionen der Goldpreis künstlich in die Höhe getrieben, um Kleinanleger vom Goldkauf abzuschrecken und das Vertrauen in einen verläßlichen Goldpreis zu erschüttern. Aussagen über staatliche Goldbestände werden häufig bezweifelt. Bis zur Aufhebung des Goldstandards 1971 betrug der Goldpreis 35 $ je Unze. Heute gibt es Spekulationen, die einen Goldpreis von mehr als 15.000 $ für realistisch halten, andere liegen bei 3.000 $, wiederum andere sind der Meinung, dass er ein Zwischenhoch überschritten hat und sich bei 1.100 $ einpendeln wird, was den realen Produktionskosten nahekommt ( Morningstar ).

Figur 20: Realer Goldpreis 1344 - 1999 (Basis: Dollar 1998)

Die Graphik zeigt den langfristigen inflationsbereinigten Goldpreis, wobei vom Wert des Dollar im Jahr 1998 ausgegangen wird. ( Quelle, vgl. auch Deutsch, S. 16 und Wikipedia zum Goldpreis)
Jürgen Müller liest daraus einen langfristigen realen Goldpreis von ca. 900 $ seit der Entdeckung der amerikanischen Edelmetall-Minen 1550 ab, wobei er den Wertverlust des Dollar von 1998 bis 2009 berücksichtigt. ( Link )
Seit 2002 schnellt der Preis wieder hoch und entwickelt sich in Richtung des Werts von 1980. Müller erwartet nach Platzen der derzeitigen Preisübertreibung eine Rückkehr zu einem allerdings inzwischen tendenziell steigenden Preis, da aufgrund der begrenzten Goldvorkommen Erkundung und Förderung von Gold teurer werden ( PeakGold ). Das entspricht dem Argument von MorningStar, wonach sich letztlich auch beim Gold die Produktionskosten als preisbestimmend erweisen. Sie liegen derzeit bei 1.100 $ und werden weiter ansteigen.

Gleicherweise überlagern sich im Kurs-Gewinn-Verhältnis (Price-Earnings Ratio) am Aktienmarkt verschiedene Trends: (a) kurz- und langfristige Markterwartungen der Käufer, (b) wachsende Verschuldung der Unternehmen, die verstärkt über die Ausgabe von Aktien Kapital beschaffen müssen, (c) Aktienhandel als neuer Geschäftszweig der Banken, der mal gefördert und mal reguliert wird (Aufstieg und Niedergang von Investmentbanken), (d) Spekulationswellen wie zum Beispiel beim Dotcom-Crash, (e) Verlagerung der Altersvorsorge auf Aktien (durch Privatpersonen und Pensionsfonds).

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis zeigt, wie weit sich der Aktienkurs eines Unternehmens von dessen Gewinn, also dessen wirtschaftlicher Stärke entfernt. Je optimistischer die Marktlage und die weitere Entwicklung der Kurse bewertet werden, desto höher steigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Das wird in den extremen Ausschlägen immer ein Anzeichen wirtschaftlicher Unvernunft und Verblendung sein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis kann auch im Ganzen verfälscht sein, je stärkeres Gewicht Unternehmen aus dem Finanzsektor (Banken, Versicherung) erhalten, denn dann können Gewinnerwartungen in Gesellschaften, die mit Aktien handeln, ihrerseits den Wert von Aktien beeinflussen.

Der Wert der Aktien und das Kurs-Gewinn-Verhältnis

Figur 21: Kurs-Gewinn-Verhältnis (Price-Earnings Ratio) am Aktienmarkt, Zinssatz für langfristige Darlehen (Long Term Interest Rates)

Die Muster 1880-1940 und 1940-2010 stimmen auffallend überein: In beiden Zeiträumen ist ein Zyklus der Zinsen zu erkennen. Die Aktienkurse entwickeln sich in der ersten Hälfte in gleicher Richtung, dann jedoch spiegelbildlich, bis sie in eine gemeinsame Krise geraten.
Quelle: Wikipedia, Upload von: Realterm

Sehr entfernt lassen sich die Kondratieff-Zyklen erkennen. Um dies zu erklären, ist vom Zinszyklus auszugehen. Aufgrund theoretischer Überlegungen über die Natur aller Zyklen läuft der Zinszyklus dem Wirtschaftszyklus um ungefähr einen Viertel-Abschnitt des Gesamtzyklus nach, d.h. im Falle der Kondratieff-Zyklen um ca. 10 - 13 Jahre (vgl. Mathematik und Ökonomie). Minima des Zinszyklus liegen 1900, 1940 und 2010, d.h. zeitversetzt nach dem Beginn der Kondratieff-Zyklen 1885, 1936 und 1990. (Der geringe Abstand 1936 bis 1940 bei Ausbruch des 2. Weltkriegs müsste gesondert erklärt werden.) Umgekehrt liegen die Maxima des Zinszyklus 1920 und 1980 10-15 Jahre vor dem Tiefpunkt des Kondratieff-Zyklus, an dem ein neuer Zyklus beginnt.

Niedrige Zinsen bewirken wiederum häufig, dass Geld vermehrt in Aktien statt in Anleihen mit niedrigem Zinsertrag investiert wird und treiben daher das Kurs-Gewinn-Verhältnis hoch, zumal in einer Gründer-Zeit, in der innovative Firmen große Erfolge versprechen, während die klassischen Unternehmen sich noch aus der Krise befreien müssen. Wenn der neue Kondratieff-Zyklus die Prosperitätsphase erreichen soll, müssen die Zinsen vorerst niedrig bleiben und die Aktien-Höchststände wieder zusammenbrechen, damit neues Kapital für die Unternehmer wieder billiger wird.

Spitzen auf einem mittleren Niveau von 25 wie 1901 und 1966 zeigen dagegen den jeweils zweiten Teilzyklus eines Kondratieff-Zyklus an, wenn eine volle Reife erreicht ist. Das könnte sich 2020 wiederholen.

Im Ganzen zeigt diese Kurve keinen Orientierungsverlust, auch wenn der Verlauf in den Ausschlägen extremer wird. Mithilfe der EDV wurden neue Finanzierungsmodelle eingeführt, die sichere und riskantere Papiere bündeln und zugleich den hoch-spekulativen Terminmarkt durch sogenannte Hebel-Zertifikate auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Dennoch hat sich im Ergebnis der Verlauf der Aktienkurse nicht von der realwirtschaftlichen Entwicklung gelöst. Das bestätigen der Zyklus und die Trendlinie des Verhältnisses von Aktien zu Gold, - Aktien gemessen am Dow-Index. Wird Gold als verläßlicher Indikator des realen Geldwertes genommen, zeigt diese Kurve, wie teuer Aktien "wirklich" sind. Die Trendlinie zeigt das langfristige Wachstum der Wirtschaft, der Kurvenverlauf entspricht dem Wirtschaftszyklus.

Figur 22: Dow / Gold Ratio
Je weiter sich seit 2000 der Preisverfall der Aktien (gemessen an Gold) entwickelt, desto deutlicher zeigen sich in dieser Kurve die drei letzten Kondratieff-Zyklen seit 1885 Quelle

Zinsen und die Dilemmata der Staatsverschuldung

Jetzt von den Aktien zu den Zinsen. Rein mathematisch ("technisch") legt der Kurvenverlauf des Zinssatzes für langfristige Darlehen nahe, dass es spätestens in 10 Jahren zu einem ähnlichen langfristigen Anstieg der Zinsen wie 1900-20 und 1940-80 und zu einer Normalisierung der Ausschläge auf den Aktienmärkten kommen muß. Das wird allerdings die hochverschuldeten Privatpersonen und Staatshaushalte in große Bedrängnis bringen. Statt weiter in Aktien zu spekulieren werden mit hohen Kosten Schulden abgetragen werden müssen.

Das führt direkt in die beiden großen Dilemmata, die derzeit alle Vermögensverwalter beschäftigen. Peter Boehringer, Gründer der PBVV-Vermögensberatung in München, veröffentlicht seit 2003 regelmäßig Finanzbriefe im Internet. Er gehört zu der wachsenden Gruppe von Vermögensberatern, die einen Umstieg vom spekulativen Aktienkauf zu Edelmetallen und sicheren Vermögenswerten empfehlen. Für ihn ist die Weltwirtschaft spätestens seit der Aufgabe der Goldpreisbindung und der ihr nachfolgenden massiven Verschuldung der USA durch zwei Paradoxien gekennzeichnet:

(1) Weil der Staat so hoch verschuldet ist, muss er zum einen die Zinsen erhöhen, um Staatsanleihen attraktiv zu machen und darüber Geld zu bekommen. Wenn der Goldpreis steigt, droht dem Staat, dass Anleger auf weiter steigende Preise spekulieren und ihr Vermögen eher in Gold als in Staatsanleihen investieren. Aber er kann die Zinsen nicht erhöhen, da er dann die eigenen Schulden nicht mehr zurückzahlen kann. Die US-Gesamtverschuldung betrug 2008 52 Billionen $. Bei 5% Zinsen erfordert das jährliche Zinszahlungen von 2,5 Billionen $. Diese Zahl übersteigt deutlich die jährlich mögliche Neuverschuldung. Der US-Staat wird kaum mehr als 1,6 Billionen $ Schulden machen können. Würde der Zinssatz wie in der Krise 1980 auf über 15% steigen, müßte der Staat bankrott erklären. - Dies Schicksal traf in den 1980ern und 1990ern die seinerzeit hochverschuldeten Entwicklungsländer, osteuropäischen Staaten und Schwellenländer (Mexiko, Argentinien, Brasilien, "Tiger-Staaten" in Asien). Diesmal trifft es die schwächeren Staaten in der EU und absehbar auch Großbritannien und die USA, die bisher keinen Ausweg aus der Krise von 2009 gefunden haben.

(2) In den letzten Jahrzehnten konnten sich die USA darauf verlassen, dass aus dem Ausland massiv in Dollar investiert wird. Zum einen legten Anleger aus Westeuropa ihr Geld lieber in den USA an als im eigenen Land, da dort etwa im Immobilienmarkt höhere Gewinne versprochen wurden. Sie wollten von den Vorteilen der Dominanzposition der USA mitprofitieren statt auf das Potential im eigenen Land zu bauen. Das wirkt sich jetzt in und nach der Krise fatal auf die westeuropäische Wirtschaft aus: Die westeuropäischen Staaten mussten massiv den einheimischen Banken helfen, deren Anlagen in den USA entwertet wurden (am spektakulärsten durch den Bankrott einiger führender US-Banken). Hierfür mussten sie sich weiter verschulden. Dies Geld fehlt nun in nationalen Programmen etwa zur Bildung und zur Förderung von Innovationsprojekten. Mitgegangen mitgefangen. - Zum anderen fanden neu aufstrebende Länder wie China vor allem in den USA einen Massenmarkt, auf dem sie ihre vergleichsweise billig produzierten Waren anbieten konnten. Das wurde noch dadurch begünstigt, dass die USA ihre Industrie zu großen Teilen abbauten. Länder wie China geraten nun aber in ein Dilemma: Da sie weit schneller wachsen als die USA, müssten sie ihre Währung gegenüber dem Dollar aufwerten. Das bedeutet aber, dass für sie die Dollar, die sie für ihre Waren in den USA erhalten haben, immer weniger wert sind.

Auf Dauer kann es aus Sicht der Vermögensverwalter nur zwei Lösungen geben: Entweder erklärt der US-Staat seinen Bankrott und zahlt weder die inländischen noch ausländischen Schulden zurück. Oder er entwertet durch eine Inflation seine Schulden. Die dritte Option wird von ihnen nicht einmal in Betracht gezogen: Der Staat erhöht in einem Ausmaß die Steuern, wie es beispielsweise nach 1929 in den USA unter Roosevelt durchgesetzt wurde, um die Schulden bezahlen zu können. Die USA und die Länder, die über gewaltige Dollar-Reserven verfügen, könnten sich aus ihrem Gefangenen-Dilemma befreien, wenn der Dollar als Weltwährung abgelöst wird durch einen Mix mehrerer führender Währungen, wobei weiter auch ein zu vereinbarender Prozentsatz an Gold-Sicherheiten in den "Korb" zu tun wäre, um dieser Währung die nötige Akzeptanz zu geben. Damit würde mit großer Verzögerung Keynes recht bekommen, der bereits 1944 in Bretton-Woods einen entsprechenden Vorschlag machte (Schaffung eines künstlichen Weltgeldes "Bancor"), sich aber damals nicht gegen die übermächtige USA durchsetzen konnte. (Er hatte seinerzeit vor einer von den USA ausgehenden Deflation gewarnt, wodurch die USA ihre Überlegenheit ausspielen und die anderen Länder in Bedrängnis bringen könnten. Heute müssen sich die anderen Länder umgekehrt vor der von den USA geschürten Inflation schützen.)

Gold und Angst

Über den Goldpreis gibt es weit zurückreichende historische Daten. Schon auf den ersten Blick bestätigt sich die extreme Inflation im 20. Jahrhundert, und mit welch fatalen Wirkungen in dem nach 1930 beginnenden Kondratieff-Zyklus Maßnahmen verpasst wurden, ein wirtschaftliches Gleichgewicht herzustellen. Das mündete in die große Krise, als 1971 die Goldpreisbindung des Dollar aufgegeben werden mußte und Sicherheiten im Gold statt im Dollar gesucht wurden. Daher wuchs die Nachfrage, und der Goldpreis stieg innerhalb von 10 Jahren 1970-1980 auf das Hundertfache. Einige halten für möglich, dass sich das jetzt wiederholt. Seither sind die Preisentwicklung (und mit ihr die Kreditvergabe) außer Kontrolle.

Die beiden folgenden Tabellen können annähernd das Ausmaß des Problems zeigen.

Figur 23: Goldpreis, Historische Entwicklung in USD Quelle

Figur 24: Goldpreis, inflationsbereinigt, Mittelfristige Entwicklung in USD Quelle

Diese Figur zeigt zugleich mit ihren verschiedenen inflationsbereinigten Kurven, wie schwierig es geworden ist, den veröffentlichten Statistiken zu trauen. Woran wird die Inflation gemessen, am Warenkorb der Verbraucher, der Geldmenge, der Summe aller virtuellen Geldtitel? Bisweilen wird direkt angezweifelt, dass alle veröffentlichten Daten der Wahrheit entsprechen. In dieser Situation erscheint es durchaus angemessen, so etwas wie einen "Angst-Index" aufzustellen, d.h. das Verhältnis zwischen Edelmetall und Papiergeld. Die Idee geht auf James Turk zurück.

Figur 25a, 25b: Angstindex: Edelmetallwährung / Papierwährung, langfristig und mittelfristig,
Technisch genauer: US-Goldreserve * Goldpreis / M3-Geldmenge, d.h. Absicherung der Papierwährung durch Gold. Quelle: James Turk, "Free Gold Money Report", auch in: PBVV-Finanzbrief 2004-04, S. 10; Link a, Link b

Die Verbraucher spüren, dass etwas mit dem Geldwert nicht stimmt. Der Angstindex zeigt an, wie weit die Schuldenpolitik der Nationalbanken gehen kann, ohne Panik bei den Verbrauchern auszulösen. Wenn jetzt seit 2000 der Angstindex wieder deutlich steigt, setzt das der Geldpolitik in einer Situation enge Grenzen, in der so dringend wie noch nie Geld "geschöpft" werden müßte. Die Geldpolitik gerät in ein unlösbares Dilemma. Nachdem im Jahr 2000 der historische Tiefstwert erreicht wurde - nie erschienen die USA stärker als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und den Goldenen Jahren der Clinton-Ära -, ist der Index bis 2010 wieder auf ein Niveau wie in den Jahren 1995, 1973 bzw. 1965 geklettert. Er ist dabei, die in Figur 16a rot-gestrichelte historisch abfallende Trendlinie zu überschreiten. Er steigt um so mehr, je weniger Vertrauen die Anleger in die Fähigkeit der USA haben, den Wert des Papiergelds zu garantieren.

Dies ist Ausdruck einer großen Verunsicherung und letztlich einer bisher fehlenden Bereitschaft, Geld in die dringend notwendigen Projekte im Bereich erneuerbare Energien, Landwirtschaft, neue Technologien zu investieren. Diese Investitionen sind bisher noch weit unterbewertet und daher für Anleger nicht ausreichend "attraktiv". Offenbar sind die traditionellen Geldanlagen in Finanzspekulationen oder Gold noch nicht genügend in die Krise geraten. Es fehlt das Vertrauen, dass neue Projekte entschlossen aufgegriffen und durchgeführt werden.

Schlussfolgerungen zur Inflation und möglichen Szenarien

Ursachen der Inflation

Derzeit ist wachsende Verunsicherung und Nervosität in den Märkten zu spüren, siehe den Anstieg des Angst-Index. Alle verläßlichen Frühindikatoren scheinen zu versagen. Sogar negative Zinsen sind möglich geworden, was nach der strengen volkswirtschaftlichen Lehre gar nicht möglich sein sollte, und nicht einmal sie können eine Wachstumsphase anstoßen. Das zeigt seit 1990 Japan und droht sich seit 2009 in den USA zu wiederholen. Ursache ist, dass sich derzeit die unterschiedlichen Zyklen überlagern und schwer einzuschätzen ist, ob und wann das extreme Ausschläge oder umgekehrt eine Dämpfung verursacht.

Verschiebungen im Verhältnis zwischen Stadt und Land (letztlich zwischen Natur und Kultur) bewirken langfristige Preistrends. Derzeit ist hier ein Umschlag von Inflation zu Deflation notwendig. Das Angebot an Nahrungsmitteln ist weltweit gegenüber der Nachfrage äußerst verknappt.

Imperien können in der Anfangsphase stabile Preisverhältnisse herstellen und neigen am Ende dazu, ihren Niedergang durch verzweifelte Gewaltanstrengungen und Kriege aufzuhalten. Derzeit ist zu erleben, wie einerseits das Erstarken neuer Ökonomien in den früheren Entwicklungsländern deutlich deflationierende Wirkungen hat (Industrieprodukte können billiger hergestellt werden), während sich gleichzeitig die klassischen Industrienationen immer weiter verschulden und die USA die Position des Dollars als Weltwährung für eine Inflation nutzen, die ihnen zugute kommt und ihre militärischen Aktionen zu bezahlen hilft.

Die 60-jährigen Kondratieff-Zyklen können mit ihrer Einführung neuer Technologien bisweilen Zentralisierungen oder umgekehrt Dezentralisierungen bewirken. Zum Beispiel haben die Zentralisierungen mit dem Aufbau der Massenproduktion während des 20. Jahrhunderts eine inflationierende Wirkung, weil sich die Unternehmen und Staaten stark verschulden müssen, um ihre Anlagen und die nötige Infrastruktur aufbauen zu können und auch die Konsumenten nur mit Krediten den Kauf langfristiger Konsumgüter finanzieren können. Für die nächste Zukunft ist umgekehrt eine Entwicklung zu erwarten, durch die Technologien miniaturisiert und dezentralisiert werden. Das lässt die Markteintrittsschwelle für neue Unternehmen sinken. Verbraucher können wieder zum Einkauf günstigerer Produkte zurückkehren. Wenn es ihnen weiter gelingt, einen größeren Teil durch Eigenarbeit mithilfe besserer Werkzeuge und austauschbarer Komponenten zu erzeugen, werden sie wieder autarker und unabhängiger von den Banken leben können. Transportkosten werden zunächst wegen steigender Ölpreise ansteigen, dann jedoch mit der Dezentralisierung wieder fallen.

Verwerfungen in der Weltwirtschaft führen zu stark schwankenden Wechselkursen und der Notwendigkeit, internationale Geschäfte durch Terminsicherungen zu garantieren. Das hat eine Welle von daraus abgeleiteten Terminspekulationen ausgelöst (sogenannte Hebel-Zertifikate), die die Inflation massiv anheizen.

Szenarien

Konflikt-Szenario: Inflation-Deflation wie im 19. Jahrhundert während und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Zwischenkriegszeit 1920-33 in Deutschland. Zunächst werden in einer Phase der sich zur Hyperinflation steigernden Inflation alle diejenigen getroffen, die Geld gespart haben. Wer sich verschuldet, profitiert dagegen, da seine Schulden durch die Inflation ebenfalls entwertet werden. Kommt es dann zu einer Währungsreform mit einer nachfolgenden Deflation, sind wiederum alle betroffen, die nicht schnell genug ihre Schulden bezahlt haben und jetzt in einer neuen Preisumgebung die alten hohen Schulden weiter abtragen müssen. Einen Vorgeschmack dafür liefert das Platzen der Preisblasen für Immobilien in Japan, Spanien und den USA, das alle diejenigen in den Ruin stürzt, die weiter Kredite für die überteuerten Immobilien abzahlen müssen.

Lähmungs-Szenario: Beispiel Japan. Das kann genauso Europa und die USA treffen, wenn es nicht rechtzeitig gelingt, die während des 20. Jahrhunderts in einer ungewöhnlich langen Inflationsphase entstandenen Machtgefüge wieder aufzulösen. Banken und Geldbesitzer haben eine fast unangreifbare Position errungen und drohen mit ihrem Festhalten an überlieferten Privilegien alle neuen Impulse abzuwürgen. Investitions- und Risikobereitschaft sowohl in die eigene persönliche Zukunft wie in die Zukunft der jeweiligen Gesellschaft verlagert sich in die neu aufstrebenden Länder, während in USA, Europa und Japan die Schuldendienste alle neuen gesellschaftlichen Projekte vor unlösbare Finanzierungsprobleme zu stellen drohen. Das führt in einer Abwärtsspirale dazu, die vorhandenen Geldmittel in unproduktiven Gütern wie Edelmetallen und Immobilien zu retten, die zwar sicher sind, aber keinerlei Innovationen anstoßen. Gut ausgebildete junge Fachkräfte und Hochschulabgänger bekommen weniger Chancen, und der Strom hochqualifizierten Personals etwa von Indien nach USA und Europa wird sich umkehren. 2009 und 2010 haben bereits mehr Manager und IT-Fachkräfte die USA verlassen als dort eingewandert sind. Trifft Houellebecq mit "Karte und Gebiet" (2010) den Zeitgeist, dass Europa bald nur noch von Touristen aus anderen Kontinenten leben wird, die sich hier historische Stätten wie Florenz oder Paris anschauen wollen?

Reform-Szenario: Die Weltwährungsordnung wird umgebaut mit Schaffung eines neuen Weltgeldes, für den Dollar wird ein schrittweiser Übergang gefunden. Dem Wildwuchs der Derivate wird der Boden entzogen, wenn wieder stabile Währungskurse und langfristige Kredite in Unternehmen statt in Schuldtitel üblich werden. Begleitend wird das Finanzsystem transparenter gemacht: Schon heute ist das technisch dank der EDV möglich, mit deren Hilfe sie überhaupt erst geschaffen werden konnten. Alle verwischten Spuren werden offengelegt, sogenannte toxische Papiere werden separiert in die profitablen und die wertlosen Anteile. Die wertlosen Anteile werden abgeschrieben, und für die Kosten haben diejenigen aufzukommen, die sie verschuldet haben. Das alles ist nur möglich, wenn die Wirtschaft von einem globalen Projekt mit einer klaren Vision getragen wird, in den Bereichen Energie, Umwelt und Gesundheit zu investieren. - Dies gilt im "Kleinen" auch für Europa. Ohne Zweifel ist keine Lösung der bestehenden Finanzprobleme möglich, wenn nicht eine handlungsfähige europäische Wirtschaftsinstitution geschaffen wird. Aber auch die wird machtlos bleiben, wenn es keine neue europäische Vision gibt, die ihr die nötige Autorität und Akzeptanz verleiht.

Wird fortgeführt

2009-2011

Anhang

A1 Immobilienmarkt in den USA

Figur 26: Entwicklung des Shiller-Index der Verkaufspreise von Häusern in den USA (1890-2011) (rot: Prognose)

Die Preise sind inflationsbereinigt, wobei offen ist, an welchem Warenkorb die Inflation gemessen wird. Die Kurve zeigt also in Annäherung, in welchem Maß die Häuserpreise schneller gestiegen sind als die anderen Preise. Die Preise müssen weiter stark fallen, um die Durchschnittslinie des allgemeinen Preisniveaus zu erreichen. GEAB hat die Figur in seinem Bericht Nr. 55 (17. Mai 2011) veröffentlicht, die Berechnung stammt von Barry March in the New York Times mit Ergänzung durch Steve Barry im Ritholz Blog Quelle

A2 Arbeitslosigkeit in den USA

Figur 27a: Arbeitslosenrate in den USA seit 1950

"The above graph shows monthly USA National Unemployment rate. Measurement is in Percent (not seasonally adjusted)." (Quelle: Forecast-Chart und dort "Economic Forecast - Unemployment Rate" auswählen

)

Figur 27b: Durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit in den USA in Wochen seit 1948

"Besonders prekär ist nach wie vor die Beschäftigungssituation. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit in den USA hat sich auf 39 Wochen, einen Nachkriegsrekord, erhöht." Quelle

A3 Goldproduktion

Figur 28: Weltweite Goldproduktion seit 1840

Thomas Chaize hat das Diagramm erstellt. Höhepunkte der Goldproduktion fallen auf Krisenjahre: Deutsch-französischer Krieg 1870, erster und zweiter Weltkrieg, Aufhebung des Goldstandard, Krise des Weltwährungssystems. Der Goldpreis erreicht im 20. Jahrhundert jeweils 10 Jahre später Spitzenwerte, so 1933, 1980, 2011. Quelle

Literatur- und Quellenhinweise:

Basisliteratur: siehe Link

AICPA Conferences: Post Conference Materials on the Web; Link

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Veröffentlichungen; Link

Bloomberg: Index des Vertrauens der Marktteilnehmer am Bankensystem (TED spread); Link

Peter Boehringer: Finanzbriefe, veröffentlicht auf goldseiten.de; Link

John R. Borchert: American Metropolitan Evolution, in: Geographical Review 57 (3) S. 301–332, 1967

Thomas Chaize: Energy & Mining Newsletter (Entwicklung von Goldproduktion und -preisen); Link

China Analysis - Studien zu Politik und Wirtschaft Chinas; Link

Elizabeth Collins: Wir prognostizieren langfristig einen Goldpreis von 1.100 US-Dollar, in: Morningstar April 2011; Link

Reinhard Deutsch: Das Silberkomplott, Rottenburg 2006

Development, Concepts and Doctrine Centre (DCDC): Global Strategic Trends - out to 2040, Fourth Edition, Shrivenham, Wiltshire, 2010; Link

Forecastcharts: Immobilienpreise in US-Städten; Link

Joshua S. Goldstein: Long Cycles: Prosperity and War in the Modern Age, New Haven 1988; Link

Adam Hamilton: Weizen und Inflation - (Wheat and Inflation); Link

Stephen Harmston: Gold as a Store of Value
in: World Gold Council, Research Study No. 22, 1998; Link

Folker Hellmeyer: Marktberichte; Link

IMF: World Economic Outlook October 2009, Sustaining the Recovery, Washington 2009

International Institute of Social History: Historische Tabellen und zahlreiche weitere Verweise; Link

International Monetary Fund: Data and Statistics (Basiszahlen je Land); Link
Basiszahlen seit 1980 mit Erwartungswerten bis 2014, Download nach Excel möglich

Peter Kugler; Inflation: Geschichte und Ursachen; Link

LEAP/Europe 2020: Global European Anticipation Bulletins englisch deutsch
-: "Der Goldpreis: Das Paradox wird erklärbar" (April 2009); Link

Lloyds Banking Group: Hauspreisentwicklung in Großbritannien (Halifax House Price Index); Link

Angus Maddison: Die Weltwirtschaft - eine Millenniums-Perspektive, OECD 2001; Link

Jack Malvey (Lehman Brothers): The Global Capital Markets on the Threshold of the Teens: Cyclical Second Wind or Slow Road to Recession
in: AICPA Conference Nov 2007

Markt und Daten: Charts und Kommentare; Link

Ulrich Menzel: Projekt Imperium oder Hegemonie; Link

Morningstar, Berichte und Analysen; Link

Leo Nefiodow: Vortrag am 6. Juni 2002 in München; Link

OECD Veröffentlichungen (zahlreiche Titel bzw. Kurzversionen online frei erhältlich): OECD Bookshop

Realterm: Zusammenstellung zahlreicher langfristiger Graphiken; Link

Enzo Rossi: Vorlesung Geldpolitik, Einleitung, Zürich 2008; Link

René Sedillot: Muscheln, Münzen und Papier, Die Geschichte des Geldes, Frankfurt, New York 1992

Ulrike Tagscherer: Innovations- und Forschungspolitik in China - wie Chinas Technokraten sich die Zukunft vorstellen, München 2008; Link

James Turk: Free Gold Money Report; Link

Immanuel Wallerstein: Die große Depression
in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 11/2008, S. 5-7; Link

World Gold Council: Frequent Asked Questions about Gold; Link

Stephen Zarlenga: Der Mythos vom Geld, Zürich 1999; Link





© tydecks.info 2011