tydecks.info



Neuere Beiträge (Stand Juli 2007)

Markanzen - Knotenlinie zwischen Mathematik und Physik (Graf, Zednik)

Aristoteles-Kommentare (in Arbeit)

Das Interesse an Aristoteles ist nun doppelt geweckt. Die Frage nach Musik und Politik führte ebenso zu Aristoteles, wie für die Reihe der "Mathematik-Visionen aus der Zeit des Faschismus" ein Beitrag offen geblieben war, der ausgehend von Heideggers Aristoteles-Deutung und Weizsäckers Theorie der Physik klären sollte, wo in der Physik von Aristoteles die Mathematik ihren Ort findet. Das führte zur Beschäftigung mit der Geschichte der Aristoteles-Kommentare und ihren beiden Wendepunkten: Im Jahre 529 hat Kaiser Justinian ein letztes Mal das Römische Reich retten wollen, als er der antiken Denktradition die Toleranz kündigte, in Athen die Akademie schloss und den immer an der Grenze des Ketzertums stehenden Philosophen Philoponos mit einer umfassenden Aristoteles-Kritik beauftragte.

Die geriet in Europa zunächst ebenso in Vergessenheit wie die von ihr bekämpften akademischen Aristoteles-Kommentare. Über die arabische Philosophie wurden jedoch beide weiter getragen und schon von einigen scholastischen Denkern wieder aufgegriffen, bis sie von der Naturwissenschaft wieder entdeckt wurden, als die sich gleichermaßen vom Christentum und aristotelischer Philosophie trennen wollte. Die Geburt der modernen Physik um 1600 wurde damit zum zweiten Wendepunkt, und es scheint mir im Moment so, dass bei Philoponos am besten die religiösen Wurzeln der neuzeitlichen Physik zu verstehen sind. So ist es im Grunde kein Wunder, dass dann die entschiedensten Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft, zunächst Marx und dann Nietzsche zurechtrückend Heidegger, auf jeweils eigene Art Aristoteles ein neues Mal entdeckten.

Markus Semm: Sonne denken (2006)

Aus einer Zuschrift kam es zur Anfrage, einen Beitrag zum Entwurf einer Historischen Heliologie zu veröffentlichen, der sehr gut in das Umfeld der Homepage passt. Siehe von Markus Semm auch das Buch "Der springende Punkt in Hegels System", beim Boer-Verlag als kostenpflichtiger Download erhältlich.

Musik und Politik (2005 - 2006)

In seinen Hölderlin-Interpretationen kam Heidegger auf einen ursprünglichen Begriff der polis als "Mitte des Seienden" zurück und schlägt damit einen Bogen vom Politischen bis zur Natur - von der "Polis" als Stadt und Gemeinwesen bis zum "Polaren" und der Polarität im Sinne von physikalischen "Polen", Wirbeln oder Brennpunkten. Mathematisch ist die Polarisation die harmonische Obertonanalyse, die seit Rameaus 1723 veröffentlichter Schrift über die Harmonie als theoretische Grundlage der neuzeitlichen Musik gilt. Doch scheint ihr nur eine kreative Dauer von 150 Jahren beschieden gewesen zu sein. Spätestens seit 1900 wirken ihre inneren Möglichkeiten erschöpft, und Innovationen sind nur zu sehen, wo ihre Regeln wie im Jazz durchbrochen oder der Bezug zur Musik aus älteren Zeiten oder anderen Kulturen gefunden wird.

In diesen zuerst im Tamino Klassikforum veröffentlichen Beiträgen geht es also nicht um Tagespolitik. Neben philosophisch argumentierenden Beiträgen zu Aristoteles, der alchemistisch beeinflussten Musik in Prag um 1580, Bach, Beethoven, Wagner und der französischen Musik um 1900 stehen weitere Beiträge, die von Diskussionen im Forum angeregt sind. Unterhalb der Suche nach gelungenen Musikaufnahmen und empfehlenswerten Konzerten, und neben dem Bedürfnis, in der Außenseiterrolle des Klassikhörers ein eigenes Zusammengehörigkeitsgefühl zu finden, werden die unterschiedlichsten Fragen zum Sinn und Selbstverständnis der Gegenwart wach. Ein Schwerpunkt ist Bruckner. Überraschenderweise entzünden sich im Forum besonders dort Kontroversen bis zu rhetorischen Versuchen, den "Gegner" ironisch der Lächerlichkeit preiszugeben, wo Musik religiöse Gefühle anspricht. Bruckner war dafür schon immer besonders "beliebt". Das bestätigt den grundlegenden Ansatz von Aristoteles, der Musik als politisch organisierte Heilung von fehlgeleiteten religiösen Gefühlen verstand.

Neue Version von Kein Schutz vor der Entmächtigung des Wortes (2004)

Wenn Platon im Sophistes das Zählen als die innere Bewegung der dialektisch auseinander gelegten Grundbegriffe sieht, geht Hölderlin noch weiter zurück. Er interpretiert in einer sehr freien Übersetzung eines Chores der Antigone den Danae-Mythos, dass Zeus in der Gestalt des Goldregens mit Danae die Zeit zeugt. Die Zeit kann jedoch erst zur Welt kommen, nachdem Danae sie sorgsam geschützt in ihrem Mutterleib ausgebildet hat. "Sie zählete dem Vater der Zeit / die Stundenschläge, die goldnen." Die noch ungeborene Zeit wächst heran, indem sie durch das Zählen der Danae die Eigenschaft der Zählbarkeit erhält. Das zeigt die tiefe Macht der Zahlen. Worte haben wie die Zeit nur Bestand, wenn sie auf solche Weise aus dem Zählen hervorgehen. Die Tragödie Antigone lehrt aber, dass dies misslungen ist. Antigone scheitert, da sie gegenüber König Kreon nicht die treffenden Worte zu finden vermag.

Ebenso scheiterte die Gründung der Naturphilosophie, wie Hölderlin exemplarisch in den vielen Versionen seines "Tod des Empedokles" zeigt. Die Gründung der Naturphilosophie musste als ein politischer, ein Gemeinschaft konstituierender Akt angelegt sein. Das verstand Empedokles. Doch auch er fand für seine Lehre der vier Elemente nicht die richtigen Worte, die von allen hätten verstanden und als Leitideen aufgenommen werden können. Die Worte haben ihren inneren Halt verloren und können missbraucht werden. So konnte geschehen, dass die nationalsozialistischen Philosophen zwar sehr deutlich die Entmächtigung der Worte wahrnahmen (und Worte durch Symbole und Parolen ersetzen wollten), den Niedergang des mathematischen Denkens sahen und zugleich Hölderlin zum Zeugen für ihre Aufrufe für Krieg und Untergang einsetzten.

Der noch unbereitete Körper einer neuen Mathematik (2004)

An der Wende der neuzeitlichen Naturforschung steht Kepler. Seine Entwürfe stehen noch vor einem neuen System der Naturforschung und zeigen die Unfertigkeit der beginnenden Entwicklung. Ist gerade dies eine bisher nicht gesehene Eigenschaft der Mathematik, dass sich mit ihr das Unfertige formulieren lässt? Der Hohe Rabbi Löw war Zeitgenosse Keplers in Prag. Welche Wechselbeziehungen gibt es zwischen Keplers Lehre und dem Mythos, Rabbi Löw habe als erster einen Golem, einen unfertigen Menschen, erschaffen? Das führt zur Idee einer Mathematik jenseits der Sprache (Lacan, Kristeva).

Thesen, Hinweise und Fragen zur Geschichte des Memelgebiets / Memellandes (2003)

Anlass waren die Lektüre des Yahoo-Diskussionsforums über das Memelland und der erste Besuch bei einem Treffen der Memelländer in Mannheim. Gespräche mit meinem Vater, der im Memelgebiet aufgewachsen ist.

Neue Version von Mathematik auf den Spuren des sich zurückziehenden Gottes (2003)

Angeregt von Lévinas wurden die Teile über Oskar Becker und die Phänomenologie neu geschrieben.

Vorläufiges Vorwort für Mathematik des Bösen (2003)

Vorläufiges Vorwort und Arbeitstitel für den abschließenden Teil der "Mathematik-Visionen aus der Zeit des Faschismus"

Mathematik und Dialektik in Platons Sophistes (2003)

In dieser exemplarischen Auseinandersetzung mit den Sophisten begründet Platon sein Verständnis der dialektischen Methode. Mit der Dialektik werden die in Paradoxien zur Bewegungslosigkeit erstarrten Gegensätze wie Sein und Nicht-Sein, oder Sein und Schein dadurch aufgelöst, dass diese Begriffe eingebettet werden in eine größere Gruppe von 5 Begriffen, die nicht auseinander herleitbar sind, aber in einer inneren Bewegung stehen, die von einem Begriff zum nächsten führt und nach dem Vorbild des Zählens zu verstehen ist. Damit begründet Platon eine eigene Vorstellung der Zahl und will erreichen, dass die Mathematik nicht von seinen Gegnern, den Sophisten, vereinnahmt werden kann. Historisch ist es jedoch anders gekommen, und mathematisches und dialektisches Denken werden einander gegenübergestellt. Das zeigt beispielhaft die Vorlesung, die Heidegger im Wintersemester 1924-25 in Marburg über den Sophistes gehalten hat. Es soll nachgewiesen werden, wo er in seiner Interpretation von Platon abweicht.

Pommern, Herbst 2002 (2002)

Gedanken nach der ersten Reise in die Heimat meiner Mutter.


Editorial Mai 2002

Schwerpunkte dieser Homepage:

Diese Homepage ist auch ein Experiment mit dem Medium Internet, verschiedene Arbeiten, deren Wurzeln auf längst vergangene Studienjahre zurückgehen und die in den letzten Jahren (ja Jahrzehnten) nur als Feierabendbeschäftigung fortgeführt wurden, auf diese Weise zu präsentieren.







© tydecks.info 2002